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Unterwegs in Andalusien

Am Tag meiner Ankunft in Sevilla habe ich vergebens nach einer neuen Gaskartusche mit Schraubventil für meinen Kocher gesucht. Meine bisherige habe ich im Hostel in

Santiago zurückgelassen. Gaskartuschen sind im Flieger nicht erwünscht. Ich fragte in Sevilla in einigen Geschäften in der Innenstadt nach. Beim El Corte Ingles, beim kleineren Decatlon Geschäft und auch bei der Tourist Info konnte man mir keine genaue Auskunft geben. Die einzige Hoffnung war noch der große Decatlon, etwas außerhalb von Sevilla in Camas. Der Camino führte nicht direkt daran vorbei und so lief ich einen kleinen Umweg dorthin. Ich startete am Morgen um 9 Uhr. Ich wollte mein Glück noch in einem Klettershop in Triana versuchen, der aber erst um 9 Uhr wie alle Geschäfte in Spanien öffnete. Durch Zufall bin ich am Abend zuvor beim Suchen im Internet auf den Laden gestoßen. Als ich dort ankam stellte ich zu meinem Pech fest, dass der Laden nicht mehr vorhanden war. Beim Nachfragen wurde mir erzählt das der Shop vor zwei Monaten geschlossen hatte.

 

 

 

 

Puente Triana

 

 


 

Blick zurück auf Sevilla und den Tore Pell.

 

 



 

Abzweig nach Camas oder die schönere Route entlang am Fluss.

 



Zügig, und sehr schnell war ich raus aus Sevilla und lief Richtung Camas. Schon von weitem, als ich auf den Ort zulief, konnte ich auf dem Dach das riesige Decatlon Schild sehen. Als ich eintrat war ich überrascht über die große Anzahl der Sicherheitsbeamten. Erst irrte ich eine Weile durch die Reihen des Sportladens in dem es alles gab, von Anglerausrüstung über Jägerausrüstungen bis hin zu allen Sportarten. Bald stand ich vor dem Regal mit Kocher und Gaskartuschen. Es gab die üblichen Stechkartuschen und zu meinem Glück auch die gesuchten Schraubkartuschen. Allerdings nur vom Hersteller Primus. Ich selbst benutze sehr lange Zeit einen einfachen extrem Leichten Kocher von Primus der mit Schraubkartuschen funktionierte. Seit der letzten großen Reise bin ich etwas vorsichtig mit den Primus Kartuschen in Bezug auf die Nutzung mit MSR Produkten und den Kartuschen von Primus. Ich hatte mir mit einer Primus Kartuschen die ich in Schottland von einem Hiker bekam das Gewinde meines MSR Wisperlight Kochers abgedreht. Seitdem vermeide ich diese Kombination.  Jeder Hersteller deutet deutlich daraufhin nur seine Kartuschen zu verwenden, obwohl die Gewinde genormt sind. Zu meinem Pech hatte ich wieder dieselbe Ausgangssituation. MSR Kocher mit Primus Kartuschen. Diesmal jedoch nicht das Wisperlight Model, sondern den Pocken Rockte. Neuer Kocher, neues Glück. Ich hatte keine andere Wahl und nahm mir vor besonders vorsichtig den Kocher auf die Kartuschen zu schrauben. Ich nahm noch eine Mütze mit die ich in der Tennisabteilung fand. Sie passte von der Größe am besten und war zudem sehr günstig. Außerdem nahm ich noch zwei leere Wasserflaschen mit die wie angepasst in die beiden Meshtaschen am Rucksack passten. Die Wasserversorgung sollte in absehbarer Zeit schlecht werden und so hatte ich die Möglichkeit genügend Wasser mitzuführen.

Draußen verstaute ich alles. Zuvor jedoch testete ich die Kartuschen mit dem Kocher. Es passte und ich hoffte auch noch für viele weiter Male. Dann packte ich alles zusammen, setzte Mütze und Sonnenbrille auf und lief auf den Straßen nach Santiponce.

 

 



 

Typische Straßenscene in kleineren Orten im Süden. In Santiponce.

 

 

 


 

Blick über Santiponce. Im Hintergrund Sevilla und Pell Toren gut zu erkennen.

 

 



Dort angekommen stoppte ich bei den Ruinen von Italica. Italica war einst eine sehr große Stadt der Römer die am nahen Fluss Guadalquivir errichtet wurde. De Römer brachten sogar Steine aus dem Römischen Reich (Italien und Griechenland) per Schiffe hierher. Außerdem wurden hier zwei Kaiser des römischen Reiches geboren. Etwa 50 und 70 nach Christus. An Hand der Ruinen die nur zum Teil noch vorhanden sind lässt sich das Ausmaße der einstigen mächtig großen Stadt erahnen. Allein in dem Amphitheater fanden etwa 25000 Menschen Platz. Leider war dieses jedoch geschlossen und so stand ich vor dem Zaun und konnte nur ein paar Mauern sehen. Anders war es dagegen in Italica. Dort sah ich die alten Straßen die rechtwinklig zueinander angeordnet waren. Auch einige der originalen Randsteine der Straßen waren vorhanden. Viele der Mosaike die die Böden der wohlhabenderen Gesellschaft schmückten waren ebenfalls erhalten.

 

 


 




Erhaltene alte Straße mit den großen Steinplatten und den Randsteinen.

 

 

 

In einem größeren einst wohlhabenden Haus. Um den rekonstruieren Garten waren einst Zimmer angeordnet durch den viel Licht in die Räumlichkeiten gelangte.

 

 

 

 

 

 

Im Garten wachsen auch Granatäpfel.

 

 











Das Mosaik des Neptuns. Neptun der einstige Wassergott. In den Detailbildern erkennt man Krokodile, Kraken, Delfine, Fischreiher und verschiedene Fische.

 

 

 

 

 

 

 


 

Mosaik Planitario.

 

 









Weiter Mosaike im Detail.


 

 

 

Von dem einstigen Gladiatoren Theater ist nicht mehr viel übrig. Dennoch ist es von gewaltigen Ausmaßen.

 

 


Nach Santiponce bot sich mir der erste weite Blick. Es war der Anblick, den ich beim Camino del Nortel nicht hatte. Für einige Abschnitte jedoch auf dem Camino Frances oder wie bei der Durchquerung der Sahara mit dem Fahrrad vor vier Jahren. Einige erzählten mir, dass es verrückt sei solche Strecken zu gehen. Außerdem sehr langweilig da immer alles gleich aussieht und sich landschaftlich nicht wirklich viel verändert. Für mich ist es der Fall das ich solche Stecken gerne gehe, die weite Sicht reizt und die Zeit die man unterwegs für sich hat.

 

 

 


 


 


 


 


 

 

Weitsichten bis zum ersten Etappenziel auf der Via de la Plata in Guillena.

 



Bei meiner Ankunft in der öffentlichen Herberge in Guillena stand die Türe weit offen. Ein Stuhl unterhalb der Türklinke hinderte sie daran zuzufallen. Im Aufenthaltsbereich gleich zu Beginn saßen zwei Asiaten an einem Tisch. Ihr Hab und Gut war über viele Stühle, einem Wäscheständer und dem Tisch an dem sie saßen verteilt. Die beiden Südkoreaner begrüßten mich freundlich und wiesen auf die Nummer der Hospitalera bei der ich mich melden sollte hin.

Ehrlich gesagt hatte ich am ersten Tag mit keinen weiteren Pilgern gerechnet, da die Via de la Plata noch weniger gegangen wird als der del Norte. Ich erfreute mich an der Gesellschaft für den ersten Tag. Am nächsten Morgen sind die beiden vor mir aufgebrochen. Ich hatte am Morgen noch einiges zu erledigen und startete erst gegen zehn Uhr. Bald lies ich den Ort hinter mir und lief zwischen großen Olivenplantagen leicht bergauf. Immer wieder stoppte ich und war fasziniert noch immer den Tor … zu sehen. Um ehrlich zu sein war es auch etwas deprimierend da es den Anschein hatte, dass ich noch nicht sehr weit gekommen war. Bis kurz vor Ende der zweiten Tagesetappe sah ich hauch dünn die Silhouetten des Turmes von Sevilla.

 

 

 


 

Unterwegs passierte ich auch Orangen Plantagen. Diese werden direkt auf dem Feld in die LKWs verladen. Die eine oder andere habe ich mir für unterwegs mitgenommen.

 

 


Auf ca. halber Strecke lief ich durch einen eingezäunten Abschnitt, in dem Kühe zwischen Bäume grasten und mir verwunderte Blicke zuwarfen. Es war ein sehr idyllisches kleines Paradies indem unzählige Vogelarten herumflogen. Manche so schnell das ich sie nicht mal genau sehen konnte. Auf den Wiesen blühten die ersten Blumen. Hier im Süden ist der Frühling bereits eingetroffen.

 

 

 

 

 

 


 

Unterwegs zwischen Korkeichen, Kühen, Vögeln und Blumen.

 

 

 


 


 


 

Auf den schmalen Wegen unterwegs.

 

 

 


 



Erst war ich etwas verwundert als ich das Schild sah. Ich hatte noch ausreichend Wasser, wollte dennoch sehen was es dort zu sehen gab. Die Wasserpumpe mit der das Wasser gefördert werden sollte war defekt.

 

 

 




Kommt mir bekannt vor, aber seit fast zwei Monaten nicht mehr gesehen (Schriftzug, nicht den Inhalt)

 

 

 

 

Später wurde der Weg schmaler und führte auf schmalen Pfaden durch die Busch- und Baumlandschaft. Das eingezäunte Weidegelände hatte ich bereits hinter mir und der Weg führte weiterhin leicht bergauf. An diesem Tag legte ich 200 Höhenmeter zurück und erreichte Castillblanco de los Arroyos. Bei meiner Ankunft war es 15 Uhr gewesen. Dies war die denkbar schlechteste Zeit den es war Siesta bis 17 Uhr. Fast alles hat geschlossen und die Stadt wirkte wie ausgestorben. Die öffentliche Herberge hatte ebenfalls geschlossen und so habe ich mir überlegt weiter zu ziehen und im Zelt zu übernachten. Ich verbrachte zwei Stunden im Ort mit Warten in einer Bar und in einem Park. Ich brauchte unbedingt erst noch Lebensmittel und vor allem Wasser um weiter ziehen zu können. Das gab es nämlich die nächsten knapp 30 Kilometer beides nicht.

 



 


 

In der Nacht hat es immer mal wieder geregnet. Für kurze Zeit auch ziemlich stark. Erst als ich das Zelt am Morgen zusammen gepackt hatte merkte ich, dass ich ja gar kein Foto gemacht habe. Im Vordergrund über der Korkeiche hängt das Außenzelt, dass ich an diesem Tag am Rucksack befestigte. Über den Tag konnte es etwas abtrocken. Abends hing ich es zum Trocknen in der Herberge in Almaden auf.

 


 


 

Roadhiking.

 

 


Von Castillblanco de los Arroyos führt der Camino 19 Kilometer auf einer asphaltierten Landstraße. Ich war sehr froh, dass ich am Abend zuvor noch den größten Teil gelaufen war, denn der Abschnitt am Morgen nach der Nacht im Zelt kam mir sehr kurz vor. Das war gut den der weitere Weg führte durch einen Teil durch den Sierra Norte, einem eingezäunten sehr großen Naturpark. Landschaftlich war dieser Abschnitt der bisher schönste der Via de la Plata. Die Landschaft war ähnlich wie bei einer Safari. Alles stimmte, nur die großen Tiere fehlten.

 

 

 



 

Der Eingang zum Naturpark.

 

 

 

 

 

 

 

 

Unterwegs in dem Naturpark.

 

 



 

In einem weiteren separaten eingezäunten Teil trieben Farmer ihre Kühe mit Pferden zusammen.

 

 



 

Blick zurück über das riesige Gebiet des Naturparks.






 


 

Blick auf Almaden, das Tagesetappenziel.

 

 



Ich war sehr schnell gewesen an diesem Tag und erreichte mein Tagesziel bereits um kurz nach 14 Uhr. Es gibt solche und solche Tage. Ich durfte meine Sachen in die touristische Herberge legen die auch einen Raum für Pilger bereithält. Den Nachmittag verbrachte ich mit Lesen und recherchieren. Als ich gegen halb sechs zurück war in der Herberge war die Hospitalera vor Ort und zu meiner Freude auch die beiden Südkoreaner. Ihr Geschichte die sie mir erzählten war unglaublich.

Als sie ebenfalls wie ich vor der geschlossenen Herberge in Castillblanco de los Arroyos ankamen, beschlossen sie spontan einen Bus nach Sevilla zu nehmen. Dort angekommen kauften sie erstmal ausgiebig in einem Supermarkt ein und beschlossen danach zurück zu fahren und den Camino weiter zu gehen. Die beiden fanden nach der Rückfahrt eine private Herberge die beide für 24 Euro aufnahm. Sie hatten einen Euro Discount bekommen auf den sie sehr stolz waren. Dann liefen sie am nächsten Tag weiter zur touristischen Herberge in Almaden und waren froh, als sie meinen Rucksack in dem Raum vorfanden. It‘ Michael!

Der Abend war wieder einmal sehr gesellig und lustig. Am nächsten Morgen verabschiedete ich mich von den beiden den sie liefen bis Zafra und beendeten dort vorerst ihren Camino. Die beiden wollen im November zurückkommen und den Rest bis Santiago gehen. Ich lief in zwei Tagen nach Zafra. Die anderen zwei in drei Tagen.

 

 



 

Geselliger Abend mit koreanischen Pilgern.

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