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Langstreckenradweg Kopenhagen-Berlin

Neben der Stadtautobahn auf dem Radweg fuhr ich in Richtung Rostocks Innenstadt. Bernd hatte mir den Weg zuvor beschrieben. Ich wollte in die Kathedrale. Dort gab es die älteste astronomische Uhr die noch im originalen Zustand seit 1472 läuft. Sie wird seit dem Datum immer wieder aufgezogen. Insgesamt gibt es in Deutschland noch 70 astronomische Uhren. Ich saß eine ganze Weile auf einer Holzbank und betrachtete die Uhr die auf der Rückseite des Altars und Chorgestühl angebracht war. Zu Oberst stand eines Jesu Statue. Jeden Nachmittag um 12 Uhr kommen einige der Apostel zu einem Türchen heraus und drehen sich in Richtung der Jesus Statue. Außer Judas. Dann verschwinden alle wieder hinter dem Törchen auf der gegenüberliegenden Seite. Unter den Figuren war die Uhr angebracht. Darunter der Kalender. An dem sehr viel berechnet werden kann. Er Endet jedoch im Jahr 2020. Am Erstauntesten war ich als ich erfuhr dass man nach ihm auch den Wochentag des  Geburtstags bestimmen konnte. Benötigt wurde dazu nur der Monat. An diesem, mit Hilfe von Buchstaben die daneben standen wurde der Tag ermittelt. Ich lauschte einer Gruppe die geführt wurde. Jedes mal stimmte das Datum und der Tag überein. Auch hier wurde das gotische Gebäude aus Backsteinen errichtet. Schön waren auch die alte Orgel und die kleinen Kappelen. Kunstwerke die sich über Jahrhunderte ansammelten und erhalten blieben.

Am Bahnhof stoppte ich bei einem Bäcker. Dort gab es  Hefestreusel. Ich liebe Hefestreusel und es waren sicher die besten auf der bisherigen Reise. Ich fuhr weiter Richtung Südstadt. Ich war unterwegs auf meinem zweiten Langstreckenradweg. Kopenhagen bis Berlin. Landschaftlich bot der Weg einiges. Er führte mitten durch die mecklenburgische Seenplatte. Ebenfalls am Rande des Müritz Nationalpark vorbei. Ich fuhr durch kleine Nationalpark Dörfer. In dieser Natur hat es mir besonders gut gefallen. Abends wenn ich Zeltplätze direkt an Seen oder auf offenen riesigen Wiesenflächen gefunden habe, zogen greischende Gänze am Himmel vorbei. Größere Gruppen in synchronen Formationen. Insgesamt war ich nur vier Tage unterwegs bis nach Berlin. Das letzte Stück folgte ich der Havel bzw. einem Seitenkanal bis zur deutschen Hauptstadt.

Bei Neustrelitz habe ich das Raft ausgepackt und bin für ein paar Stunden auf dem See unterwegs gewesen.

Anschließend, nachdem alles trocken war verstaute ich alles im Packsack und an der Gabel (Fahrrad) vorne links und fuhr weiter nach Fürstenberg.

Hier kam ich an einem besonderen Ort vorbei. Ich war gerade dabei den Ort zu verlassen als ich links neben der gepflasterten Straße ein Panzer auf einem Potest stehen sah. Daneben der Schriftzug „Mahn und Gedenkstätte des KZ Ravensbrück“. Gegenüber sah ich eine Mauer die bereits am zerfallen war. Daneben ein Gebäude mit einer Türe. In der Mitte ein kleiner Schlitz. Definitiv einst ein Spion. Nach einer Weile holperte ich auf dem Kopfsteinpflaster weiter auf dem Langstreckenradweg. Dabei bemerkte ich ein Schild das auf die Führerresidenzen hinwies. Kein Zweifel hier gab es mehr zu sehen. Ich schob mein Rad vorbei und stoppte kurz um mich in einem der Häuser umzusehen. Einst wohnten hier die Leiter des Konzentrations- Lager. Hauptführer war Max Koegel. Es war das größte Frauen KZ in dem insgesamt 134000 Häftlinge untergebracht waren. Die meisten davon Frauen. Später kamen noch Männer und Jugendliche hinzu. Die Baracken mussten erweitert werden.

Ich erinnere mich dass mich das Thema früher in der Schule nicht wirklich interresierte, ich konnte damals wenig damit Anfangen. Mit 16 Jahren auch sehr schwer nachzuvollziehen vermute ich. Anders ist es wenn man an einen Ort kommt an dem die Geschichte stattgefunden hatte. Es war einfacher nachzuvollziehen und zu verstehen.

Anschließend lief ich hinüber zum Kommandantur Gebäude. Auf zwei Stockwerken wurde sehr anschaulich beschrieben was damals hier stattfand, wie die Menschen lebten und was sie herstellten. Auch viele persönliche Gegenstände waren ausgestellt. Die Menschen wurden bei deren Ankunft (entweder mit dem Zug oder LKW) ihres Hab und Gut entledigt, mussten sich entkleiden und wurden untersucht. Vielen wurde die Harre abgeschnitten. Dann gab es die Einheitskleidung. Auf jeder Hose und Hemd war die Häflingsnummer angebracht. Durch farbige Kennzeichen war sofort der stand der Menschen sichtbar. Anschließend ging es in die Baracken. In bis zu drei Reihen nebeneinander und drei Etagen hoch waren die Holzkästen. Darauf lagen gefüllte Strohsäcke. Ein ehemaliger Gefangener berichtet von dem entsetzlichen Gestank an den man sich nicht gewöhnte. „Es waren keine Menschen mehr die dort hausten. Sie sahen auch nicht mehr so aus“.

Es wurden Holzschuhe für die Häftlinge hergestellt, schöne Lederstiefel fuhr die Offiziere und Kleider wurden genäht. Der Speicher des Kommandantur  Gebäudes diente als Lager des Hab und Gut der Häftlinge. Dort waren die Arbeitsplätze am begehrtesten.

Das KZ wurde im laufe der Zeit von 1938 bis zu seiner Schließung im Jahre 1945 ständig erweitert und vergrößert.

Anschließend lief ich hinaus um die Fläche zu sehen auf denen einst die Baracken standen. Von ihnen war nichts mehr zu sehen. Alles war abgerissen. Auch das Wasch- und Kochhaus das einst den Häftlingen zustand. Weiße Randsteine markierten die Stelle wo das Gebäude einst gestanden hat. Desinfektionsbaracke wurde dieses Gebäude genannt. Hier drin fand die Aufnahme statt. Von den Baracken stand auch keine mehr. 2002 wurden dort wo einst die Menschen schliefen Vertiefungen in die große Schotterfläche eingelassen. So bekam man einen kleinen Eindruck von einst. 

Direkt nebenan steht das ehemalige Gefängnis. Das Gebäude war im originalen Zustand erhalten. Es gab zwei Etagen. In der Mitte ein breiter langer Korridor der zu beiden Stirnseiten über eine Treppe zugänglich war. Auf beiden Ebenen waren die Zellen angebracht. Der Anblick erinnerte etwas an den Film „The Green Mile“. Dort wo einst gefangene saßen wurden jetzt Gedenkstätten eingerichtet. Jedes Land aus dem einst Menschen hier waren bekam eine Zelle um sie eigen zu gestallten. Ich schaute mir jede Stätte an. Mich überkam eine Traurigkeit als ich von der Zahl der Toten während der Existenz des Lagers erfuhr. Über 25000.

Ich merkte wie mich dieser Ort mitnahm. Wer Menschlichkeit in sich trägt spürt das. Eine handvoll Touristen nahm ich am Rande war als ich wieder nach draußen lief, schenkte ihnen aber keine Achtung. Zu sehr zog mich dieser Ort in eine innekehrende Stimmung.

Ich lief weiter, entlang einem Teilstück der Mauer die einst das Gelände umfasste. Hoch oben röstete Stacheldrahtzaun vor sich hin. Nebenan betrat ich ein aus Backstein errichtetes Gebäude mit zwei hohen Schornsteinen. Als ich den Raum betrat, hatte ich schon eine Vorahnung was mich dort erwarten würde. Schon beim Eintreten überkam mich das Gefühl der Trauer. Noch viel intensiver als zuvor. Die Traurigkeit stieg mir in die Augen. Ich stand vor den Öfen in denen einst tausend Menschen verbrannt wurden. Blumen und Bänder auf denen Schriftzüge in Sprachen standen die ich nicht lesen konnte lagen auf dem Boden vor dem Geländer. Beim Verlassen des Gebäudes las ich auf einem Stein auf dem Boden: Standort der Gaskammer. Dezember 1944. Frühjahr 1945. Ich brauchte eine ganze Weile. Die Zeit verbrachte ich auf dem Gelände und lief entlang der Mauer auf der alle Namen der Länder angebracht wurden. Seit dem Fund großer Mengen menschlicher Asche wurde dieser Ort zu einem würdigen Denkmal hergerichtete.

Ich war nicht mehr weit von Berlin entfernt. Oranienburg ließ ich hinter mir zurück und fuhr entlang der Havel auf der anderen Uferseite. Zuvor hatte ich mich extrem Verfahren. Zu dem Album „Everyting all the time“ von „Band of Horses“ war ich tief in Gedanken versunken. Von Passanten erfuhr ich dass es eine Fähre geben würde die zum anderen Ufer übersetzt. Es dauerte eine Zeit lang bis ich die Stelle fand. Als ich dort ankam entnahm ich die Fahrzeiten vom Fahrplan. Ich hatte 1,5 Stunden Zeit bis zur nächsten. Etwas verwundert nahm ich auf der Bank auf dem kleinen Steg platz und zog mein E-book aus der Lenkertasche. Schön ist es doch Zeit zum lesen zu haben! Nach einer Weile gesellte sich ein Mann zu mir der sich nach der Abfahrtszeit erkundigte. Ich gab im die bekannte Auskunft und er setzte sich neben mich. Während wir beide warteten, kamen wir ins Gespräch und ich erzählte im ein wenig von meiner Reise.

Nach und nach begann der 84 jährige Mann von seinem Leben zu erzählen. Er fing an von der Weltstadt Berlin zu erzählen, dass Menschen aus ganz Deutschland hierher ziehen würden. Die Menschen seien hier offener. Durch seinen Beruf als Vertreter der Medizin  ist er viel in Deutschland und auch im Ausland herumgekommen und hat die Menschen kennen gelernt.

In jungen Jahren hatte er sich für die Medizin entschieden und begann Altenpfleger zu lernen. Er hatte nie etwas Studiert, hatte sich alles selbst beigebracht und führt im Ende die Arbeit der Akademiker aus. Er konnte seine Erfahrungen nutzen um im Beruf weiter zu kommen. Während der Ausbildungszeit verkaufte er Staubsauger. Er war ein gekonnter Redner erzählte er. Ich mochte seine Geschichten. Er erzählte von der gemeinsamen Zeit mit seiner Frau. Vor knapp zwei Jahren ist sie verstorben nachdem sie einen Schlaganfall hatte. Als er mir davon erzählte konnte ich in seinen Augen keine Einsamkeit sehen und auch nicht spüren. Er hatte eine sehr schöne Zeit und war jetzt dabei das Leben zu genießen. An diesem Tag wollte er mit dem Schiff die Sonne genießen. Sonnenbaden auf der Havel. Nach einer Weile erfuhren wir dass von hier an diesem Tag kein Schiff fahren würde. Der Betrieb wurde unter der Woche eingestellt. Nur noch an Wochenenden fuhr die Fähre bis nach Spandau. Die Autofähre die an das andere Ufer übersetzten sollte legte ein paar hundert Meter Strom abwärts ab. Wir blieben dennoch eine Zeitlang sitzen. Fast schon hatte ich vergessen weiter zu fahren. Ich lauschte den Anfängen als er mir von seinem ersten Date mit seiner Frau erzählte. Wie er sie kennen lernte und was sie alles in über 50 Jahren erleben durften.

Berlin ist mit etwa 3,5 Millionen Einwohnern die größte Stadt die ich während der „Nordlandtour 2014“ sehen werde. Der erste Kiez den ich durchquerte war ein ruhiger. Frohnau. Es dauerte eine ganze Weile bis ich in die Nähe des Zentrums kam. Ich fuhr durch etliche Vororte, Parks in denen DJ´s auflegten und die Leute in Zelte lebten. Flugzeuge flogen direkt über mir hinweg und landeten auf dem Tegel Flughafen. Ich schwamm mit dem Verkehr auf den Straßen mit und kam bis zum Alexander Platz. Was führ ein Kontrast. Totale Reizüberflutung. Überall wo ich hinsah pulsierte es.
 

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