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Hornstrandir

Der Zeltplatz neben dem Golfplatz etwas außerhalb von Isafjördur war wie ein Paradies. Als ich bereits den letzten Kilometer bis dorthin fuhr roch ich es. Es roch nach Süddeutschland. Nach Schwarzwald. Nach Nadelbäume.

Der Kolben des Kochers war noch immer kaputt. Ich fuhr schon mit Übereifer zur N1 Tankstelle um endlich eine Coleman Gaskartusche für den Kocher zu kaufen.Dort sollte es diese geben wurde mir in Patriksfjördur gesagt. Die Primus Kartuschen wie ich sie die letzten Tage immer fand sind nicht kompatibel mit dem Adapter meines Kochers. Es musste eine Coleman sein. Ich brauchte eine Colman. Der Übereifer verschwand als ich in dem Regal ganz unten nur Primus Kartuschen vorfand. Weiterhin kalte Küche!!!. Auch beim Nachfragen an der Kasse wurde ich enttäuscht. Keine Coleman. Ich durfte wenigstens eine Primus Kartusche probieren. Mein ganzer Optimismus half auch nichts, das Gewinde war etwas zu groß. Etwas passte nicht und das Gas entwich mit einem zischen aus der Kartusche. Ich bedankte mich für die Hilfe und dafür dass ich es wenigstens probieren konnte. Der Kassierer stellte die Gaskartusche zurück in das Regal. Ich fuhr zurück zum Campingplatz.

Ich war begeistert von dem Platz, geschützt von drei Seiten aus baute ich das Zelt auf. Die Duschen und die ganzen Einrichtungen waren sehr schön. Das Beste aber war das es dort eine elektrische Herdplatte gab. Warmes Essen also. Cous Cous mit Tomaten. Yeah!

Am nächsten Tag schaute ich mir genau die Details der Einzelteile des Kochers mit Kolben im Internet an. Mit etwas Kleber konnte ich ihn mir reparieren. Hoffentlich für einen längeren Zeitraum.

 

Am nächsten Tag fuhr ich in die Stadt zur Touristeninformation. Ich informierte mich über die genauen Bootsverbindungen nach Hornstrandir. Ich wollte dort ein paar Tage hiken und das Packraft sollte auch zum Einsatz kommen. Deswegen viel meine Routenauswahl recht schnell. Ich wollte beides Kombinieren. Es gab dort einen Fjord, der nicht ganz der offenen See ausgesetzt war. Dann ein Küstenabschnitt entlang Klippen und noch mal einen See zu befahren. Auf dieser Route würde ich jedoch nicht an den Königsklippen vorbeikommen. Erst war ich mir deswegen nicht ganz sicher, aber ich entschied mich dennoch für die zu Fuß –Packraft - zu Fuß Variante.

Insgesamt verbrachte ich dort vier Tage. Eigentlich wollte ich fünf bleiben. Ich wollte aber auch nicht das Finale der Fußball WM verpassen. Eigentlich habe ich nicht viel übrig für Fußball. Bei einer WM oder EM ist das aber etwas anderes. Außerdem ist das schon fast so etwas wie ein Ritualt geworden die Spiele während den Reisen anzuschauen. 2012 verfolgte ich das EM Geschehen in marokkanischen Cafes und Restaurants.

Gegen 12 Uhr verabschiedete ich mich von den kalifornischen Reiseradler, die noch acht weitere Tage damit verbrachten sich gegen den Isländischen Gegenwind zu stemmen. Dann flogen sie nach Hause. Nach San Fransisco. Direkt zum Strand!

Ich packte meine Sachen und fuhr zur Touristeninfo. Dort lud ich den nötigen Teil der Ausrüstung in meinen Rucksack, zurrte das Raft fest und steckte die Paddel in die beiden Seitenfächer des Rucksacks.

Um kurz nach 14 Uhr fuhr das  Speedboat langsam aus dem Hafen. Ich freute mich darauf. Im Boot waren  auch noch andere Hiker, aber auch Tagesreisende die die Pancake Tour gebucht hatten. Ich musste schmunzeln als ich hörte das sie nach Hesteyri fuhren um dort etwas von der Geschichte zu erfahren, um anschließend Pfannenkuchen zu essen und dann wieder zurück zu fahren. Die See war extrem ruhig und die Wasseroberfläche schimmerte leicht gräulich. Ich hoffte jetzt Wale zu sehen. Erfolglos. Keine Chance. Von Isafjördur aus sah man nicht direkt auf Hornstrandir. Zuvor lag noch die Halbinsel Snaefjallaströnd die sich westlich vom Gletscher Drangajökull erstreckte. Der Schnee reichte vielerorts bis zum Wasser. Im Fjord Jökullfjord erblickte ich den Gletscher. Er ist der fünftgrößte Islands und der einzige der wächst. Nach einer guten Stunde legte das Boot an einem kleinen Bootsteg an nachdem wir ein kleines Segelboot passierten.

Der Anblick war wahnsinnig. Eine Wildnis lag vor mi,r in der seit 1952 niemand mehr das ganze Jahr über wohnt. Hier gibt es keine Straßen, nur zu erreichen per Boot.

Am ersten Tag lief ich zusammen mit drei Franzosen und zwei Amerikaner. Die Begleitung wechselte ständig. Mal lief ich aber auch abseits der anderen. Bei deren Gelegenheit hatte ich die Chance ein Schneehuhn zu sehen das am Rand eines sehr großen Schneefelds vor mir herlief. Als es mich sah lief es etwas schneller und wechselte ständig zwischen den Steinen und dem Schneefeld. Ich blieb dran und mir gelangen ein paar Aufnahmen. Später las ich dass es sich dabei um ein Weibchen handelte. Sie sind nicht ganz so weis gefiedert wie die Männchen. Deshalb konnte ich es auf dem Schneefeld so gut ausmachen. Eine Hilfe um den Weg auszumachen waren die Steinsäulen die errichtet waren. Nur selten konnte man einen Pfad ausmachen der dann wieder im Nirgendwo verschwand. Es war unglaublich als ich auf dem ersten Pass ankam. Weit vor mir, etwas zur meiner linken sah ich den Atlantik. Ich war umgeben von riesigen Bergen. Eine vor mir war wohl ein Vulkan der jedoch nicht mehr aktiv ist wie alle Berge in den Westfjorden. Dennoch gibt es hier oben so viele heiße Quellen wie sonnst nicht im ganzen Land. Nicht jedoch auf Hornstrandir, zumindest war mir nichts bekannt.

Am Abend erreichte ich Hlöduvik. Der oberste Teil des Strands war gesäumt von Treibholz. Ganze Baumstämme in unterschiedlichen stärken lagen kreuz und Quer herum. Als ob man dort Zahnstocher quer durcheinander verteilt hätte. Ich schlug das Zelt auf und benutzte Baumstämme an denen ich die Abspannleinen befestigte. Der Schock von dem Sturm in Patiksfördur saß noch tief. Am Abend passierte eine große Gruppe Isländer die Bucht und furteten einen Fluss. In der Nacht frischte der Wind auf und es begann leicht zu regnen.

Am nächsten Morgen wurde ich erst spät wach. Es war neun Uhr um halb elf bin ich los gelaufen. Vor mir lag ein Pass. Der Anstieg zog sich und ich nahm mir vor durch zu laufen ohne Pause zu machen. Erst von oben wollte ich den Anblick genießen. Unterwegs überholte ich drei andere Hiker bei einer Furt. Die drei zogen die Schuhe aus und knoteten sie am Rucksack fest. Ich schaute kurz und fand dann eine passende Route bei der ich die Schuhe anlassen konnte. Ich balancierte mit großen Schritten auf vereinzelten Steinen gefährlich über dem schnell fließende Wasser hinweg. Glück gehabt. Ich habe das Gleichgewicht trotz dem Raft nicht verloren. Oben auf dem Pass zogen wenige Meter über mir Wolken vorbei. Vor mir lag ein weiteres Tal das durch Gletschermassen geformt war. Überall Wiese, Blumen und umso höher ich blickte umso mehr Steine und Felsen waren zu sehen.

Über eine kleine Kletterpassage führte der Weg etwas hinab, folgte dann dem Tal auf fast konstanter Höhe bis zu einem weiteren Pass den es zu erklimmen galt. Die letzten Abschnitte führten auf Schneefelder. Der Schnee war jedoch sehr Fest und ich sank nicht tief ein. Auf den letzten Höhenmeter passierte mich eine Gruppe Isländer. Sie hatten nur Tagesrücksäcke bei sich. Womöglich machen sie ein paar Tage Urlaub und übernachteten in einem Ferienhaus. Es gibt nicht viel solche Häusern hier draußen. Die meisten sind alte Farmen oder andere Ruinen die umgebaut wurden. Manch eines ist vielleicht auch neu gebaut worden. Nebel zog auf. Die letzten Höhenmeter sah ich nichts mehr. Ich benutzte den Kompass um die Richtung in die ich gehen musste nicht zu verlieren.

Nachdem ich einige Zeit Pause machte und dabei die Aussicht genoss kamen die drei Hiker von zu vor. Zwei Schweizer und eine Deutsche. Ich bekam ein Stück Schweizer Nusskuchen den sie dabei hatten. Urig!

Von hier oben konnte ich das erste Mal den Fjord Flijots überblicken der auch als See bezeichnet wird. Er erstreckte sich bis zum Ozean hin mit dem er über eine kleine Mündung verbunden ist. Dort unten wollte ich das Abenteuer mit dem Packraft vorsetzen.  Zuerst jedoch hatte ich einen steilen Abstieg auf losem Geröll vor mir. Das letzte Stück stieg ich auf einem steilen Schneefeld ab. Ich lief zu dem großen See, an dessen Rand noch Schnee und Eis lagen. Von oben schimmerte das Eis türkisblau. Mitten im See schwammen zwei Singschwäne ihre Runden von denen es unzählige in diesem Gebiet gab. Ein letzter extrem steiler Abstieg über eine Grasböschung. Dann galt es noch eine morastige Wiese zu überqueren und einen Fluss zu furten. Diesmal musste ich die Schuhe ausziehen. Das Wasser war mehr als Knietief und die Strömung sehr stark. Ich schnürte die Schuhe am Rucksack fest und lief mit den Crocs leicht gegen die Strömung. Das Schmelzwasser war eisig kalt. Ich musste noch mal zurück um die Kamera und das Stativ zu holen.

Am Ufer baute ich das Raft auf und verstaute alles im Rucksack den ich auf den Bug gebunden habe. Es war bereits spät. 17 Uhr. Aber ich wollte unbedingt noch paddeln. Wenigstens ein Stück. Außerdem war für den nächsten Tag regen vorausgesagt. Etwas entfernt sah ich die drei vom letzten Pass die zum Abschied winkten. Als ich bereits eine Weile paddelte sah ich dass sie auf einer Anhöhe aber nicht weit vom Wasser entfernt zwei Zelte aufbauten.

Ich kam ganz gut voran, hatte aber etwas Gegenwind. Der Fjord war umgeben von Bergen. In den Schattenseiten lag noch Schnee, Wasserfälle stürzten zu beiden Seiten herab. Ich paddelte auf den Ozean hinzu. Ich war überrascht wie niedrig der Wasserstand war. Fast die ganze Zeit über sah ich den Grund. Mehrere Singschwäne schrieen ihre Laute heraus. Wenn sie an mir vorbei flogen taten sie dass in einem großen Bogen. Offensichtlich war ich ihnen nicht ganz geheuer. Ich kam jetzt immer näher der Mündung. Auf der rechten Seite konnte ich vereinzelte Häuser ausmachen. Atlastadir. Auf dem letzten Stück war der Wasserstand so niedrig gewesen, dass ich aussteigen musste und das Boot mit einer Leine durchs Wasser ziehen musste. Danach konnte ich wieder einsteigen und weiter Richtung Mündung paddeln. Ich sah bereits die ersten Wellen die sanft in der Brandung brachen. Ich veränderte noch mal das Stative bzw. die Position. Ich hatte zu Beginn das Stativ hinten auf dem Bug angebracht.

Etwas mulmig war mir schon als ich die Brandung direkt vor mir sah. Ich wollte dort hin, musste durch die Wellen. Ich verfolgte das Geschehen erst für einen kurzen Moment. Kleine Wellen brachen etwa 20 Meter vor mir. Vielleicht drei, vier nacheinander. Ich fühlte mich sicher. Gerade als ich los wollte kam aber eine große die mich zögern ließ los zu paddeln. Ich wartete, entschied mich dann aber doch anders. Es war schon etwas Nervenkitzel dabei. Würde ich kentern? Ich war also unterwegs als sich vor mir eine Welle aufbaute. Sie überschlug sich schon. Ich drehte abrupt um so wie ich das mache wenn ich vor einem Stein im Wildwasser drehe. Die Welle gab mir unglaublich viel speed. Wasser kam ins Boot und ich war begeistert. Vielleicht war dies doch noch etwas zu heftig für mich vielleicht aber auch nicht. Dort wo der Meeresboden abrupter abfiel und sich die Wellen nicht ganz so stark aufbauten brach ich durch die Brandung. Die See war ruhig. Vögel flogen vor mir. Manche waren nicht so scheu wie andere und ich konnte extrem nahe an ihnen vorbei. Einer sah besonders lustig aus wenn er landen wollte. Er war schwarz, hatte rote Füße und immer wenn er landete hingen seine Füße nach Hinten. Es sah  aus wie kleine Skispringer der einen Bauchklatscher machte. Am Strand etwa 30 Meter entfernt konnte ich einen kleinen Polarfuchs sehen der dort herumtrollte. Er war dank seines schwarzen Sommerfels gut zu sehen.

Der Blick vom Wasser war genial. Links neben mir erstreckte sich eine Steilküste empor. Vogel nistete darin. Die meisten Möwen. Ich hoffte auf Seelöwen zu stoßen. Leider sah ich keine. Zu meiner rechten waren es nur noch etwa 300 Kilometer bis zur Südost Küste von Grönland.

Langsam merkte ich wie mich die Kräfte verließen. Am Abend schlug ich das Zelt am Ende eines Sees auf einem Erdhügel auf. Ich lief an diesem Tag etwa 15 Kilometer und legte noch mal dasselbe zurück mit dem Raft.

Das Zelt spannte ich mit mehreren großen Steinen. In das Raft legte ich ein großes schweres Stück Treibholz. Alles war sturmsicher. Es war bereits kurz vor zwölf als ich mir mein bisschen Essen kochte und einen Tee kochte.

 

Der nächste Tag war fürchterlich. Es regnete fürchterlich. Es wollte nicht mehr aufhören. Der Wind wehte und es war kalt. An diesem Tag wurde ich nass wie noch nie glaube ich. Ich wurde nicht nur von oben nass sondern auch von unten. Ich musste ein Moorgebiet durch hohes Gras durchqueren. Ich lief nur im Wasser. Auf dem letzten Stück in mitten des Moors galt es noch mal ein Fluss zu queren. Ich fand keine geeignete Stelle. Alles war viel zu tief. Im strömenden Regen packte ich das Raft aus und drückte die Luft mit Hilfe des Blasesacks hinein. Provisorisch knotete ich alles fest und paddelte zum anderen Ufer. Ich verstaute alles am Rucksack und lief weiter. Vor mir lag ein letzter Pass. Unterwegs kamen mir zwei Mädels aus Minnesota entgegen und fragten nach dem Kajak. Sie mussten mich von etwas weiter oberhalb gesehen haben. Ich berichtete von dem Boot im Packsack und dem Paddel an der Seite des Rucksacks. Der letzte Teil war extrem unangenehm mir war extrem kalt, ich war nass und wollte nur so schnell es geht über die ganzen Schneefelder und über die Steine hinweg.

Am frühen Abend zog sich das Aufbauen des Zeltes unglaublich in die Länge. Meine Finger waren so kalt das ich eine Ewigkeit brauchte um überhaupt erst einmal die Schnallen des Rucksacks zu öffnen. Sobald alles stand legte ich mich in den Schlafsack und wärmte mich erst einmal. Ich schlief dabei ein.

Am nächsten Morgen regnete es zwar nicht mehr aber die Luftfeuchtigkeit war so hoch das alles feucht war. Der Zeltboden war sogar mit einer dünnen Schicht Feuchtigkeit überzogen. Das Innenzelt tropfte wenn ich es berührte.

Ich packte alles ein und lief weiter, zurück nach Hesteyri. Dort freute ich mich auf das Speedboat das mich ins trockene brachte. Zuerst aber wollte ich eine Dusche haben. Die Fahrt war unglaublich gesellig mit zwei Schweizern aus dem Argau die unterwegs war in die Wildnis. Für sieben Tage. Für sie begann das Abenteuer, für mich endete es…


 

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