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Ein langer Pilgertag, bisher mein längster.

Das Hostel war weniger belegt als am Abend zuvor. Zuvor waren es Spanier die die Nacht zum Tag gemacht haben. Die letzte Nacht waren es Südamerikaner. Ich weiß nicht genau aus welchem Land. Entweder Chile oder Argentinien. Das ist das Hostalleben in größeren Städten. Die Leute gehen und kommen. Mein Wecker klingelte um halb acht. Der Plan war bis acht Uhr alles gepackt zu haben und nach dem Frühstück aufzubrechen. Frühstück gab es erst ab halb neun Uhr. Ich verbrachte eine halbe Stunde mit Recherche im Internet und Info einholen für den weiteren Weg. Nach reichhaltigem Frühstück war ich nach neun Uhr unterwegs. Vor mir lag eine etwa 10 Kilometer langer Etappe bis Portugalete. Dabei passierte ich Vororte und ein zig Kilometer langes nicht mehr benutztes Industriegebiet. Einst war hier reges Treiben. Jetzt zeugten Ruinen von der damaligen Zeit. In Portugalete benutze ich die schwebe Brücke von der mir bereits unterwegs schon erzählt wurde.

 






Das weitreichende Industriegebiet war mein stetiger Begleiter.




 

Der erste Hagel. Unter einem Dach fand ich mit einem Passanten etwas Unterschlupf.







 

Am Hafen von Portugalete.

 

Am anderen Ufers angekommen lagen massenweise Regenschirme in allen Varianten am Boden. Schwazafrikaner versuchten hier ihre Waren zu verkaufen. Jeder verkaufte die gleichen. Vielleicht waren es fünf Händler mit denselben Waren die nacheinander folgten.

Erst war ich etwas erstaunt als ich die Rolltreppen sah auf denen sich die Menschen bequem den Berg hinauf schweben leisen. Dann fiel mir wieder ein, dass ich davon gelesen hatte. Ich tat schön dasselbe und erfreute mich an den geschenkten Höhenmeter.

 


 

Mit der Rolltreppe nach oben. Geschenkte Höhenmeter.

 

 

Als ich oben angekommen war folgte ich weiter den gelben Pfeilen. Ich verlies die Stadt die mir sehr groß erschien als ich plötzlich vor einem großen Autobahnkreuz stand. Ich lief über sehr viele Fahrbahnen auf Brücken die mir durch die Plexiglasscheiben die Sicht boten.

 


 

Das weit verzweigte Autobahnkreuz.

 

 


 

Immer wieder gibt es alternative Routen zur Hauptroute.

 

 

 

 

Bei einer Gabelung des Caminos entschied ich mir nicht der alternativroute zu folgen und lief weiter auf dem originalen Camino. Die alternative führte durch weitere Ortschaften von denen ich die letzten Kilometer genug hatte. Ich sehnte mich nach Natur. Was folgte waren zu Beginn etliche weitere Kilometer entlang der Autobahn. Der Weg führte mich seit Beginn der Abzweigung zur alternative auf einem breiten asphaltierten Rad- und Fußweg. Als ich unterwegs war fing es plötzlich wieder an zu Regnen. Erst kurz zuvor war der Himmel noch weitgehenst blau gewesen. Das war das erste Mal an diesem Tag das ich gut nass wurde. Die Hose klebte bereits an den Beinen und ich ärgerte mich eine der drei Regenhosen die im Holzschrank im Schwarzwald hingen nicht dabei zu haben. Ich beruhigte mich bei dem Gedanken, dass ich doch auch keine im Jahr 2012 auf dem Camino Frances brauchte. Das blöde dabei war nur, dass ich nur einen knappen Kilometer von einem Rastplatz entfernt war, bei dem es eventuell einem Unterstand gegeben hätte. Als ich dort ankam, (es hatte bereits aufgehört zu regnen) stellte ich fest, dass es dort keinen Unterstand gab. Nun war die Hose fast wieder trocken und ich erfreute mich an dem weiteren Weg.

Ich passierte ein eingezäuntes Pferdegelände. Die Pferde folgten mir für einige Zeit am Zaun entlang. Seit etlichen Kilometer sind mir Katzen aufgefallen, die am Wegesrand saßen und meist dann zu sehen waren wenn Futterschüsseln nicht weit entfernt im dichten Gras standen. Offenbar waren es tierfreundliche Besitzer die die Eigentümer der Schrebergärten am Wegesrand waren. Eine Seltenheit in Spanien denn definitive nicht jeder handelt so.

 

 


 

Die Katzen entlang am Weg.

 

 


 

Auf dieser Etappe sah ich sehr viele Graffitis. Dies war eines davon.

 

 

 

Nach fast 22 Kilometer kam ich in Pobena am Atlantik an. Ich hatte ihn bereits seit eignen Tagen nicht mehr gesehen. Draußen auf dem Ozean hing eine dichte große dunkelgraue Wolke. Vom Inland her schien die Sonne. In dem aufgewühlten Wasser des Atlantiks surften mehrere Kitsurfer auf den Wellen. Die Wellen kamen so dicht nacheinander, dass ich nur selten die Surfer sah. Ihre Kits und die Leinen mit denen ihre Lenkstange verbunden war, wiesen mir grob die Richtung wo sie sich etwa befinden mussten.

 


 

Kitsurfer im Atlantik.

 

 

Im Café direkt am Stand habe ich einen Café con Leche bestellt und mir dabei überlegt den weiteren Weg bis Castor Urdiales zu gehen. Ein Grund einerseits war die etwas schlechte Lage weiterer Unterkünfte. Für das Zelt war es mir noch zu kalt und zu nass. Zu unbeständig. Der andere und für mich wichtigere Anreiz, war es eine lange Etappe zu meistern. Ich entschied mich weiter zu laufen.

Weitere knappe 20 Kilometer lagen vor mir.

Für einige Zeit lief ich nahe am Strand bis der Weg etlichen Stufen bergauf führte. Kurz bevor ich dort ankam, wurde ich von zwei Joggern und einem Hund überholt. Es war ein netter, lieber Hund. Denn die Zahlen der Hunde die bellend hinter Zäune, Mauern und andern Absperrungen hinter mir her waren, ist deutlich höher als die der anständigen, braven ev. auch schon fast verschmusten. Ich überholte den Hund, der jetzt hinter mir lief. Die Jogger waren weiterhin vor mir. Jedes Mal wenn ich mich umdreht blieb der Hund stehen und blickte verlegen im Umland umher. Ich verschonte ihn und blickte nicht mehr zurück. Nachdem die Jogger die unzähligen Stufen hinter sich hatten, drehten sie an der letzten Stufe um und liefen diese wieder hinab. Der Vierbeiner kehrte ebenfalls nachdem die beiden Jogger an ihm vorbei waren und lief glücklich und zufrieden schwanzwedelnd hinter den beiden her. Exercise for the human an the dog as well.

Ich lief weiter entlang auf den alten Trassen einer ehemaligen Eisenbahn die hier einst die Steine alter Minen in vergangenen Tagen transportierte. Ruinen entlang dem Weg zeugten von der damaligen Zeit. Es war ein sehr schöner Weg, der kilometerlang auf derselben Höhe verlief. Die Blicke auf die Küste waren sehr schön und wechselten jedes Mal ab wenn die alte Trasse sich entlang der Berge schlängelte.




 

Die Route auf der alten Trasse entlang der Küste.

 






 

Blicke von der Küste.

 


 

Dieser Tunnel wurde einst von den Lokomotiven und den Loren benutzt. Jetzt führt der Camino hier entlang.




 

Ruinen zeugen von der damaligen Zeit. Viel ist davon aber nicht mehr zu sehen.

 

 

In Onton verlies ich die Trasse und lief etwa landeinwärts. Ich hatte kein genaues Bild mehr vom Camino im Kopf und lief einfach den Pfeilen und Wegweiser weiter entlang nach. Ich wollte auch nicht nachschauen. Mein Ziel war Castor und ich erfreute mich an der Landschaft die weiter von den Ruinen der einstigen Zeit geprägte war. Der Weg stieg an und führte mich weiter landeinwärts. Ich blickte nicht mehr auf die Karte und war einfach nur froh weiter gehen zu können. Ich hörte ab und zu Musik was ich an diesem Tag das erste Mal auf dem Camino tat. Normalerweise ist das sehr selten den ich höre sehr viel und sehr gerne meine Musik. Ich lief auf steiler werdenden Wegen auf aufgeweichtem Boden in Eukalyptuswälder. Irgendwann begegnete ich einem Waldarbeiter, der mit seinem Gefährt Bäumen sagte und die gleichlangen Stücke aufeinanderlegte. Er stoppte kurz und rief kurz „ Oh, mucho frio“. Ich grüßte, verneinte und lief bald darauf weiter. Kurz danach öffneten sich die Schotten von oben zum dritten Mal. Auch diesmal wurde ich nass und während des Laufens wieder trocken. Die Regenjacke hat ihre Aufgabe erfüllt. Der Weg führte mich bergab und ich stoppte an einer Bank um das letzte Stück Brot das ich bei mir hatte zu essen. Ich kam mit einem Mann ins Gespräch. Durch dieses Gespräch wurde ich aufmerksam, dass ich doch auf der längeren Variante unterwegs war. Dies wollte ich eigentlich vermeiden. Etwas geknickt über die weiter 8 Kilometer die vor mir lagen verspeist ich das letzte Brot und lehrte meine Wasserflasche.

Die Dämmerung war breites weit vorangeschritten. Ich lief mit der Stirnlampe weiter. Die Pfeile waren nur noch sehr schwer zu erkennen.

Als ich nach dem langen geraden Wegabschnitt in Santullan angekommen war, fand ich keine Pfeile mehr. Ich hatte mich verlaufen. Ich folgte einfach den Orten die ich auf den Schildern sah. Sie übereinstimmen mit der Karte die ich vor mir hatte. Erst kam Lusa, dann Miono. Letzteren angekommen suchte ich eine ganze Weile die Pfeile, fand sie schließlich doch noch und lief weiter bis zum Atlantik.






 

Die orangene Route auf der Karte zeigt den gelaufenen Weg inkl. Umweg. Die grüne Route wäre die Abkürzung gewesen.

 

 

Im Guide war ein Restaurant erwähnt das sehr schöne Blicke auf den Ozean offeriert. Ich freute mich auf ein Café und stellte fest, dass es geschlossen war. Wie schön es doch gewesen wäre dort einzukehren um wieder neue Kräfte zu tanken. Ich lief weiter bergauf bis ich oben auf einer Anhöhe über dem Ozean ankam. Beim Blick zurück konnte ich an den erhellten Wolken am Himmel erkennen von wo ich vor knapp 12 stunden aufgebrochen war.

 

 

Der Blick zurück nach Bilbao. Nachtaufnahme ohne Stativ.

 


 

Blick in die Richtung in die dich lief. Die Lichter von Castor. Weit konnte es nicht mehr sein.

 

 

 

Nur kurz nachdem ich über den schmalen Weg zu den ersten Häuser der Stadt abgestiegen war fing es heftig an zu winden. Kurz danach fiel der Hagel zum vierten Mal an diesem Tag senkrecht vom Himmel. Eine Hecke bot mir Schutz. Von oben brauchte ich keinen, es kam ja alles von der Seite. Auf den letzten Kilometer hat es mich dann doch nochmal erwischt, die Hose klebte abermals an den Beinen.




 

Eine fast geschlossene Schicht Hagel auf der Straße.

 

 

Diesmal fand Unterschlupf in einer Bar. Nach einem Kaffee, der wärmt und neuer Kräfte brachte lief ich die letzten zwei Kilometer bis zu einer Pension am Hafen in der ich ein Zimmer bekam.

Als ich dort ankam, bezog ich mein Zimmer, duschte, wusch die Wäsche und legte mich kurz hin. Meine Fußsohlen brannte dermaßen als ich dort lag, dass ich nicht mal mehr aufstehen wollte um nach dem Password für das WiFi zu fragen. Ich war fix und fertig von dieser 80%igen Asphaltetappe und schlief kurz darauf ein.

Mit Abstecher und Umwegen legte ich knapp 45 Kilometer an diesem Tag zurück. Das ist etwas mehr als 2012 auf dem Frances von Cebreio aus, meiner bisher längsten Etappe.

Some people would say „you know what, he’s German!“. Some are not! Never mind.

 

Erst am nächsten Morgen blickte ich aus dem Fenster. Ich hatte ein Zimmer mit Hafenblick.










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