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Hitchhiking nach St. Jean Pied de Port

Gleich nachdem das Foto für die Lokalzeitung geschossen war hielt ich meinen Daumen heraus. Das erste  Auto stoppte. Leider bog der Mann gleich nach 500 Meter ab. Dankend lehnte ich ab. Mein Weg sollte mich weiter auf der B33 nach Offenburg führen. Von dort aus weiter auf der A 5 Richtung Basel.  Ich spürte richtig das Adrenalin in mir aufsteigen. Ich war voller Tatendrang und begeistert wieder unterwegs zu sein.
Kurz darauf stoppte eine alte Mitschülerin, die mich die nächsten zwei Ortschaften mitnahm. Zu Fuß lief ich bis zum anderen Ende von Hausach und schon gleich nachdem ich die Straße überquerte, stoppte das erste Auto. Ich berichtete dem Fahrer von meinem Reiseplan. Er war hell auf begeistert und meinte er habe schon das passende Thema für das all Montagmorgen Gespräch mit seinen Fünftklässlern. Als ich ausstieg überreichte er mir eine Visitenkarte mit der Bitte von unterwegs eine Karte zu schreiben. Ich bedankte mich und versicherte ihm von meiner Reise unterwegs zu schreiben. Als ich auf dem Kinzigdamm entlang lief schien die Sonne auf mich herab. Ich dachte kurz darüber nach was mich den alles erwarten würde und ich kam zum selben Ergebnisse wie schon so oft. Ich wusste es nicht, denn egal was ich mir ausmalte am Ende wird alles anders kommen als gedacht. Mir wurde auch bewusst wie stark mich die letzten Monate zurück in das Alltagsleben eines normalen Bürgers gerissen haben. Ich werde wohl einige Zeit brauchen um mich wieder an das Reiseleben zu gewöhnen.
Meine nächste Mitfahrgelegenheit, eine Frau die auf dem Weg nach Zell war, stellt sich als eine ganz besondere heraus. Sie konnte mir  aus eigenen Erfahrungen sehr gute Reisetipps zu West Afrika geben. Vertieft in Gesprächen fuhr sie mich bis zur A 5. Sie meinte sie habe noch genügend Zeit. An der Ausfahrt  Appenweier stoppten wir und ich begann meinen ersten nennenswerten Fußmarsch auf der alten A 5 die zur Zeit ausgebaut wird. Ich lief vorbei an Baustellen, Brücken wurden gebaut, Schutt wurde aufgehäuft und Arbeiter schauten etwas verwundert. Sie  grüßten aber  dennoch.  Auch vorbei fahrende Autofahrer schauten verdächtig komisch zu mir herüber. Ein späterer LKW Fahrer erzählte mir, dass das Trampen auf deutschen Autobahnen mittlerweile verboten sei. Spätestens jetzt konnte ich die verdächtig komischen Blicke genau einordnen. Auch war ich froh, dass kein Polizeiwagen zu diesem Zeitpunkt vorbei fuhr. Nach den fünf Kilometer endete die Baustelle und die Autobahn wurde breiter inklusive Standstreifen, den ich als perfekte Chance sah eine Mitfahrgelegenheit zu bekommen. Es dauerte auch nicht lange bis ein schwarzer BMW anhielt und mich bis zur Autobahnraststätte Schauinsland bei Freiburg mitnahm.  Es überraschte mich wie schnell ich vorwärts kam. Von meinen ersten Tramperfahrungen in Europa war ich gleich begeistert. Bis jetzt stand ich nicht länger als ein paar Minuten. Ich war begeistert vom trampen…
Bei zwei belegten Weckle (Brötchen von Mama zum Abschied) ließ ich die ersten Eindrücke sacken.
-Wie weit werde ich wohl noch kommen?- überlegte ich ihn diesem Moment. –Vielleicht noch bis Mulhouse?-. Ich beschloss, mich bei den parkenden Autos durchzufragen. Leider ohne Erfolg. Also lief ich zu den LKWs. Ich bin noch nie mit einem größeren LKW mitgefahren, so dachte ich mir könnte dies eine gute Gelegenheit sein um es zu versuchen. Ein Fahrer nach dem anderen schaute mich stark abweisenden und kopfschüttelnd an. Ich brauchte nur in die Nähe eines LKWs zu kommen und ich erahnte die Reaktion des Fahrers. Ich war mir bereits ziemlich sicher, dass ich keine Möglichkeit mehr habe mit einem LKW den Rastplatz zu verlassen als ich plötzlich am Eingang der Tankstelle angesprochen wurde.
Frank war auf dem Weg einen Saugbagger auszuliefern. Er war auf der Fahrt nach Marseille und bot mir spontan an mich mitzunehmen. Jetzt wurde ich bereits schon eingeladen mitzufahren ohne zu fragen. Ich war hin und weg und sagte dankend zu.
Frank erklärte mir was es mit dem Saugbagger auf sich hatte.  Er diente dazu  groben Bauschutt mit einem Durchmesser bis 25 cm abzusaugen. Mit einem Kompressor kann man z.B. Asphalt oder Gestein zerkleinern und anschließend aufsaugen. Ein Bagger und ein LKW für Schutt in einem.“ Die Franzosen schwören darauf“ erzählt Frank. Insgesamt sind ca. 500 von diesen Fahrzeugen in ganz Europa unterwegs. Davon die wenigsten in Deutschland.
Wir fuhren mit einer Geschwindigkeit von 90 Km/h Richtung Basel. Bei der Abfahrt Neuenburg/ Mulhouse überquerten wir kurz darauf den Rhein und waren bereits in Frankreich. Die Route führte weiter über Besancon nach Lyon. Plötzlich tauchte ein Schwarm von mehreren tausend Zugvögel vor uns auf. Sie sammelten  sich um in den Süden aufzubrechen. Der bis vor kurzem noch warme Winter drängte die Vögel womöglich noch nicht weiter südlich. Sie bewegten sich als ob alle aus einer Masse bestehen. Ich habe so etwas zuvor nur bei großen Fischschwärmen die in der Strömung schwimmen gesehen. Im Hintergrund verschwand die Sonne zwischen den Bäumen. Die Wolken am Himmel färbten sich gelb bis dunkel orange. Kurz vor Lyon übernachteten wir in einer kleinen Stadt in einem Hotel. Ich genoss das weiche Bett und vor allem die Dusche. Es war sehr früh als ich mit den ersten gewaltigen Eindrücken einschlief.
 Um fünf Uhr am nächsten Morgen fuhren wir weiter Richtung Süden. Das Frühstück,das wir uns an einer Tankstelle genehmigten, bezahlte ich.  Frank war selbst als Tramper in Europa unterwegs und fuhr überwiegend mit LKWs mit. Er lief bereits schon zweimal den Camino de Santiago. Jetzt träumte er davon nach Jerusalem zu pilgern. Nur selten blicke ich aus dem Fenster, als Tramper war ich bis jetzt immer in Gespräche vertieft. Ich bemerke jedoch, dass wir jetzt ein Stück parallel zur Rhone fahren. Während der Fahrt sehen ich auch 2 der 58 AKW´s die in Frankreich den Hauptstrom erzeugen. Bei einem stehen paradoxer Weise drei Windkrafträder daneben. Vielleicht um das schlechte Gewissen zu beruhigen
. Wir fuhren die Ausfahrt 20 raus. Frank tankte noch mal voll. „Die letzte Tankfüllung bis Marseille“, meinte er. Nach einem gemeinsamen Foto verabschiede ich mich. Insgesamt fuhr ich mit Frank 550 Kilometer.
Es war schon etwas komisch nach zwei Tagen auf einmal unweit der Cote d´Azur zu stehen. Ich realisierte noch gar nicht so genau was da alles in den letzten Tagen passiert war.
Nach Ciabatta mit Brie versuchte ich mein Glück erneut. Der dritte LKW Fahrer nahm mich mit.
Ich schaffte es an diesem Tag noch bis nach Narbonne. Außerhalb eines Rastplatzes schlug ich mein Zelt das erste Mal auf.
In zwei Tagen fuhr ich vom Schwarzwald bis nahe der Grenze zu Spanien. Ich war unterwegs auf der Hauptroute von Deutschland nach Spanien. Als Alleinreisender  ist die Wahrscheinlichkeit - meiner Erfahrung nach - sehr groß weiter zu kommen. Mir fiel jedoch auf, dass die LKW Fahrer meist zuerst nach der „Anzahl„ fragten. Zu zweit wird man wohl eher eine Absage bekommen.
Ich war mir sicher, dass ich noch weiter auf diese ja schon sehr schnelle Art reisen konnte. Mir war es jedoch etwas zu schnell. Ich beschloss auf den Landstraßen ein bisschen die Pyrenäen zu erkunden. Bislang wusste ich noch nicht viel. Das Einzige, dass es Berge über 3000 Meter gibt. Mehr war mir nicht bekannt.
Bei dem letzten Autostopp auf der Autoroute (Autobahn) hatte ich das Vergnügen auf Salvador zu treffen. Er war auf der Rückreise von Göppingen und hatte industrielles Material geladen. Ich unterhielt mich mit Salvador mit einem Mix vom einzelnen spanischen-, französischen- und englischen Worten. Ab und zu fiel auch eine deutsche Zahl. Salvador zeigte mit seinem Finger gerade aus. Vor uns erhoben sich die mit Schnee bedeckte Berge. Die Pyrenäen. Links davon das Mittelmeer. Was für ein Kontrast. Ich war fasziniert und voller Vorfreude auf das was kommt.
Auf der Landstraße N116 trampte ich Richtung Westen. Das Ziel: Andorra.
Das Tal das ich hinauf fuhr wurde immer schmaler und schmaler. Die Entfernungen wurden immer kürzer die ich zurücklegte. So nahm mich gelegentlich eine Person bis zum nächsten Ort mit. Manche fuhren zur Arbeit, andere waren unterwegs zu einem Rendezvous. Links und rechts von mir erstreckten sich die bis zu 3000 Meter hohen Gebirgsketten, deren Gipfel weiß bedeckt waren. Die Straße wurde immer schmaler und kurviger. Natur und ockerfarbene Häuser schmiegten sich an de blanken Felsen.  In Saillagouse angekommen bot sich mir ein unglaublicher Anblick. Aus dem schmalen, steilen Tal wurde jetzt ein weites ganz leicht abfallendes Tal. Das Gras und die abgeernteten Felder leuchteten goldbraun in der späten Abendsonne - links und rechts die mit Schnee bedeckten Gipfel der Gebirgsketten. Ich schlug mein Zelt auf und genoss das Lichtspiel bis die Sonne hinter den Bergen versank.
Am nächsten Tag fuhr ich mit Franzosen weiter. Der Fahrer war, so vermutete ich, mit seinem Sohn und seiner Tochter unterwegs. Es war für mich die unangenehmste Fahrt von allen, da ich mich nicht mit der Familie unterhalten konnte. Umso mehr genoss ich das erste Mal die ganze Zeit die vorbeiziehende Landschaft. Kurz nach Porte Puymorens reichte der Schnee bereits bis zur Straße. Ich hätte schwören können, dass ich mich bei diesem Anblick in den Schweizer Bergen befinden würde. Ich fuhr mit bis zu Pasa de La Casa.  Geschäft an Geschäft reihte sich nebeneinander. Zu kaufen gab es Zigaretten, die stangenweise weit über ein Meter hoch gestapelt in den Schaufenstern standen. Alkohol, Lebensmittel, Kleider, Schmuck und unzähligen Schnick-Schnack. Die Franzosen nutzen die Gelegenheit und füllten ihre Tanks. 1,10 Euro kostete der  Liter.
Ich lief, nachdem ich genügend gesehen hatte, die schneebedeckten Hänge hinauf. Um besser vorwärts zu kommen nahm ich die Gummiüberzieher meiner Stöcke ab. Der Himmel strahlte blau der Schnee blendete mich fast als ich den Hang hinauf lief. Auf ca. 2200 Meter schlug ich das Zelt auf. Der Sonnenuntergang war wunderschön. Schon am nächsten Morgen hatte sich das Wetter gewendet. Wolken hingen zwischen den Bergen, Nebel lag unter mir über Pasa  de La Casa. Es schneite bereits seit ein paar Stunden. Das raue Wetter und der Neuschnee trugen dazu bei, den Rucksack im Zelt zu packen. Das noch nasse Zelt zurrte ich am Rucksack fest.  Manche Stellen waren stark vereist, wie ich beim Abstieg feststellte. Ich rammte meine Fersen in den Schnee und stütze mich auf den Stöcken ab. Ich fand bald Gefallen daran…
Die nächsten zwei Tage fuhr ich auf Landstraßen zurück um kurz vor Toulouse die Autobahn Richtung Bayonne zu nehmen. Mein Weg  führte kurz nach dem Ort Orthez wieder hinein in die Pyrenäen. Das Ziel Saint Jean Pied de Port. Der Beginn meiner Weiterreise als Pilger nach Santiago de Compostella.

Auf meinem Weg von Deutschland nach Frankreich nahmen mich insgesamt 28 Fahrer mit.








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