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Galizien

Die letzten Meter des Weges führten auf Waldboden. Kurz darauf stand ich vor der niedrigen Steinmauer und blickte zurück in die Richtung aus der ich herkam. Die Sonne war dabei unterzugehen und färbte den Horizont orange. Die Bergrücken im Hintergrund  waren in unterschiedliche Blautöne gefärbt.
In einer sehr schönen Herberge in Cebreio traf ich auf Estephan, Takaschi und Utah. Etliche spanische Radpilger waren ebenfalls dort. Zum Abendessen legten wir alle unsere Zutaten zusammen, aus denen Estephan  Pasta mit Tomatensoße und Gemüse zubereitete. Wein gab es von dem kleinen Laden im Ort.
Am Folgetag stand ich sehr früh auf. Der Gedanke lies mich nicht los eine Etappe über 40 Kilometer zurück zu legen. Bis Sarria waren es etwa 42 Kilometer. Ich startete kurz vor dem Sonnenaufgang.  Erst lief ich  ein Stück oberhalb der Herberge durch den Wald. Es war eisig kalt. Dann auf  der anderen Seite des Berges sah ich wie die Sonne hinter dem schwarzen Bergrücken auftauchte.
Der Weg führte auf einer Hochebenen mit weitem Blick, bis ich am Nachmittag unten in einem Tal ankam. Ich kaufte mir etwas Brot, Käse und Obst und lunchte auf einer Bank unweit einer Herberge. Zum Trinken gönnte ich mir Wein. Den Rest füllte ich in meine Thermoskanne in der er kühl blieb. Langsam wurde es wärmer und ich lief nur noch im Merinoshirt.
Es war bereits Nachmittag, ich lief die ca. 200 Meter bergauf als ich auf ein französisches Paar traf die unterwegs nach Hause waren. Sie liefen in die entgegengesetzte Richtung. Der Rest des Weges führte mich bergab. Mit Musik in den Ohren ließ ich meinen Gedanken freien Lauf.
Es war wohl kurz vor halb sieben als ich in Sarria eintraf. In der Herberge traf ich auf Scharen von Pilger. Zwei Säle waren fast belegt. Auch die Pilger meiner Gruppe traf ich dort wieder. Am Abend kochte ich eine Suppe und ging bald schlafen. In dem Raum war es so warm, dass ich unmöglich einschlafen konnte. Hinzu kam das Schnarchen der anderen. Kurzum schnappte ich meinen Schlafsack, das Kissen und meine Matte und schlief unten in der Küche ein.
Die letzten etwas mehr als hundert Kilometer lagen vor uns. Dann war es soweit und Santiago war erreicht. Wiesen grenzten meist an den Weg. Steinmauern und Zäune umfassten die Grundstücke. Granitsteinsäulen dienten als Pfosten. Alle in unterschiedlicher Größe und Formen. Diese waren mit Drähten verbunden und bildeten die Begrenzung. Auf den Wiesen grasten viele Kühe. Immer mehr Eukalyptusbäume wuchsen. Wenn ich die Augen schloss, den Duft der Bäume einatmete, befand ich mich für kurze Augenblicke gedanklich wieder in Australien. –Wie schön und intensiv muss es wohl riechen wenn es regnet- ging es mir durch den Kopf.
Ich mochte die kleinen galizischen Dörfer. Die Straßen waren gepflastert. Die Mauern der Häuser aus Steinen errichtet. Die Dächer waren mit rotbraunen Ziegeln gedeckt, manche mit Schiefer. In den Gärten wuchs das grüne Kraut Meter hoch, das mit Kartoffel die typische Suppe der Region ergibt. Hühner pickten und rannten umher. Manch einer der Hunde die ich sah bellte. Zum Glück waren die angsteinflößenden Tiere angebunden. Alte Karrenwagen, die komplett aus Holz gebaut waren, standen in den Nischen der Häuser. Ich fühlte mich in der Zeit zurück versetzt. Nur seltene Gegenstände wie Spiegel oder farbige Plastiktonnen erinnerten an die Gegenwart.
Am Ende der vorletzten Tagesetappe schlug ich auf dem großen Wiesengelände neben den Steinhäusern einer Herberge unweit eines Bachers mein Zelt auf…

 





                                         

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