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Von der Wüste über den hohen Atlas nach Marrakesch

Es war bereits schon nach zehn Uhr als ich nach dem Frühstück mit marokkanischen Pfannenkuchen, Khoobs mit ausreichend Butter und Marmelade losfuhr. Der Wind wehte jetzt von der Seite wodurch ich deutlich schneller als drei Tage zuvor vorankam. In Rissani stoppte ich und lief durch den sqoue auf der Suche nach Datteln. Ich fand zwar einen Stand mit den Früchten jedoch ohne Verkäufer. Ich verließ Rissani mit frischem Gemüse und Obst.

Ich fuhr an diesem Tag die bisher längste Etappe in Marokko mit 115 Kilometer. Vorbei an einzelnen kleinen Oasen mit Dattelpalmen, Häuser und Menschen die mir zuriefen. Dazwischen karge Steinwüste. In der Ferne einzelne Berge. Ich stoppte an diesem Tag selten, wollte nur Radfahren, weiterfahren.

Nur noch wenige Kilometer bis Tinerhir, ich war grob geschätzt 15 Kilometer von der Stadt entfernt in einem kleinen Dorf stoppte ich an einem Gemüse und Obstladen neben der Straße. Wassermelonen lagen auf einer Palette unter dem ausgebleichten Plastikvordach. Auf Ständer in Plastikkisten Orangen, Zwiebeln, Kartoffeln. Drinnen in dem schmalen Gang wo es etwas kühler als draußen war Tomaten, Paprika und Zucchini.

Der Verkäufer, ein Junge sprach gut Englisch und lud mich zum Bleiben ein. Ich setzte mich auf eine weißen Plastikstuhl. Ein Freund von ihm kam hinzu. Die beiden luden mich zum Essen ein. Es gab „Tajine Legume“ mit etwas Huhn, das zuvor in einem Eimer Wasser in einer Plastiktüte kühlgehalten wurde. Hinter der Verkaufstheke, die eher wie ein leerer Schreibtisch aussah speisten wir.

Der Freund von dem Ladenjunge Ahmed meinte ich „könne  bleiben und heute Abend gibt es Cous- Cous“. Spontan entschied ich eine Nacht zu bleiben. Es blieb jedoch nicht bei einer, Ich blieb vier Tage lang und musste zu Schluss fast flehen gehen zu dürfen. „Ich habe jedoch noch einen langen Weg vor mir bis Dakar“, was Ahmed und Mama Lu dann doch verstanden. Allgemein wollen mich die Menschen bei all den Einladungen die ich bekam (es waren deutlich mehr, auch wenn ich nicht von allen berichten kann) immer nur sehr schwer wieder gehen lassen. Eine unglaubliche Gastfreundschaft die ich als Radreisender erleben darf und durfte.

Nun ich fuhr hinter dem kleinen Renault Twingo hinterher zu Ahmeds Haus, das sich gerade im Rohbau befindet. „Morgen ist Richtfest zudem Ma Lu ein Scharf schlachten wird“ meinte Ahmed als er mir das Haus zeigte. Auf dem Dach trafen wir auf zwei Arbeiter, der Chef mit seinem Kollegen die gerade die letzten Vorbereitungen trafen. Am nächsten Morgen um vier Uhr kamen zehn Mann und gossen die Decke mit Beton aus. Um 9 Uhr gab es Frühstück, am Nachmittag das große Festmahl mit Cous Cous, Tarjin, Gemüse, Rind, Huhn und Scharf, Salat, Oliven, Khoobs und Plattenweise Obst zum Nachtisch.

Ahmed war das genaue Gegenteil von Tarik. Die kleine Familie besaß ausreichend Geld, sehr viel sogar für marokkanische Verhältnisse. Er arbeitet wie ca. 30 Prozent der Marokkaner im Ausland. Die meisten in Frankreich Belgien und Holland oder Spanien. Tinerhir ist die Stadt der Franzosen, unglaublich wie viele Französische Nummernschilder ich sah als mir Ahmed die Stadt zeigte. Es war schön mitzubekommen wie alles ablief.

Es war am letzten Abend, wir kehrten gerade von der Stadt aus zurück als wir einen Nachbarn von Ahmed am Straßenrand trafen. Er sprach ebenfalls gut Englisch und erzählte dass er von zu Hause aus für einen Tour Operator aus Marrakesch arbeitet der Mountainbike Touren im Hohen Atlas anbietet. Ich fuhr immer noch mit einer gebrochenen Speiche und in der Felge war eine kleine acht.

Er redete mit Tarik und meinte ich könne hier im Dorf mein Rad morgen zu einem Mechaniker geben.

Als ich am nächsten Morgen wach wurde lief ich hinab in den ersten Stock wo ich auf Ahmed traf. Ich schlief auf der Terrasse unter freiem Himmel. (Es war jedoch so warm dass ich die letzten Tage nicht vor 1 Uhr einschlafen konnte. Erst dann kühlte es langsam ab)

Während des Frühstücks erzählte er mir dass er das Rad bereits zum Mechaniker brachte. Als ich ihn fragte wo sich das Rad den befindet sagte er „ Vor der Türe er hat noch nicht geöffnet aber wir können in ein paar Stunden nachschauen ob es fertig sei“ bei mir klingelten alle Alarmglocken, steht vor der Tür, war nicht abgeschlossen und mitnehmbar für jeden, ich wollte nicht nach Dakar laufen. Zwei bis drei Minuten später stand ich vor dem Laden und das Fahrrad auch noch, Ich erklärte Ahmed dass es dann doch nicht ganz so schlimm sei und war unglaublich froh als ich zurück zu „ La Casa“ fuhr. Ich glaube er verstand es nicht wirklich warum ich das Rad auf einmal so schnell wieder wollte. Ich wollte jedoch seine Gastfreundschaft damit nicht mit Füßen treten was ich auch nicht tat wie er meinte.

Zum Abschied bekam ich noch ein Duschmittel geschenkt (Ahmed bunkerte es Massenweise in seinem Zimmer), Ein Handtuch und ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Irish Today Hangover Tomorrow “. Wie passend dachte ich, musste schmunzeln war froh und dankbar über das persönliche Souvenir.

Auch hier stand die Türe für ein Wiedersehen offen. Ahmed und Ma Lu passierten mich später nochmal winkend als ich auf der Nationalstraße in Richtung Todra Schlucht fuhr.

Ich war gerade mal 20 Kilometer gefahren als ich die nächste Einladung zum Bleiben bekam. Dankend lehnte ich ab. Ich zeltete zwei Tage lang am Eingang der Schlucht. Den ersten Tag verbrachte ich mit Ausruhen und genoss die Einsamkeit in vollen Zügen. Am Abend jedoch rappelte ich mich doch noch auf, setzte mich aufs Rad und fuhr die 5 Kilometer bis zur Schlucht. Mich erwartete ein kleines verschlafenes Dorf umgeben von bis zu 300 Meter hohen senkrecht Abfallenden Steinwänden die bei Kletterern sehr beliebt sind. Die Schlucht selbst befand sich am Ende des Dorfes. Durch einen Schmalen Streifen zwischen den Roten Felswänden führte ein Bachlauf mit kristallklarem Wasser das am oberen Ende aus drei Quellen emporsprudelt. Neben dem Bach eine schmale betonierte Fahrbahn. Ich sah eine Handvoll Touristen mit denen ich später in das Gespräch kam und einem Franzosen der hier in der Schlucht für zwei Jahre ein Haus mietete und die Zimmer vermietete. Das erste Hostel in Marokko das ich mit einer Küche zum selbstkochen sah und die auch noch top ausgestattet war. die Dekoration indisch, marokkanische Deko gefehlt ihm nicht meinte er am nächsten Tag als ich auf eine Tee vorbeikam. Zuvor jedoch lief ich den 6 Kilometer langen „ Rim oder Loop Walk. Steil stieg er an, erst auf vielleicht zwanzig Betonstufen dann im Zick- Zack auf dem schmalen von Maultieren ausgetretenen Pfad zwischen grobem Geröll. Aus der Ferne sah ich mehrere Maultiere und ein Pferd auf mich zukommen. Das Pferd trug mehrere Kanister die zusammengebunden auf dem Rücken befestigt waren. Dahinter sah ich zwei Nomaden Frauen. – Womöglich sind sie auf dem Weg zur Quelle um Wasser zu holen- dachte ich mir. Ein Mann im Dorf erzählte mir am Morgen dass ich Nomaden passieren werde die zur Zeit hier hoch oben in den Bergen ihre Zelte spannten da es hier kühler als im Tal ist.

Die Frauen mit deren wilden Blicke fragten mich nach Bon Bon als sie die Plastiktüte sahen in der ich zwei Wasserflaschen trug. Ich sagte ich habe jedoch keines. Dann wollten sie Dirhams. Nun die Frage geben oder nicht geben?

Ich traf nochmals auf eine kleine Nomadengruppe mit deren Tiere. Es ist schon unglaublich welche Strecken die Tiere in dem steilen und schroffen Gebirge zurücklegten. Manch einer bräuchte hier ev. Stöcke um sich zu stützen. Kurz darauf erreichte ich den ersten Pass. Hier zweigte sich der Weg und von hier aus hätte ich in drei Tage in die benachbarte Dates Schlucht laufen können. Nach einem leichten Abstieg folgte ein Gegenanstieg, vorbei an den Nomadenzelten zum zweiten Pass.

Nun ich war mir noch nicht ganz sicher wie die weitere Reiseroute verlaufen sollte. Nach ein paar Gesprächen mit anderen entschied ich mich von hier aus weiter die Schlucht entlang zu fahren bis nach Imlichil und weiter nach El Ksiba. Um nach Marrakesch zu kommen würde ich der Nationalstraße folgen. Somit würde ich aber auch nicht die Dades Gorge, das Dades Vally, Ouarzazate und Tizi´n Tichka sehen. Dafür den hohen und nochmals den mittleren Atlas.

Ich sollte es nicht bereuen, die Fahrt über den Kargen hohen Atlas war ein Traum, fast leere Straßen (Autos die ich an zwei Händen abzählen konnte sonst nur Berber zu Fuß oder auf Pferd und Maultieren) und unglaublich tolle einzigartige Landschaften. Der höchste Pass den ich überquerte lag auf 2700 Meter Höhe. Ich verbrachte dort auch die Nacht. Es wurde so kalt, dass ich meinen Merino Shirt und Wollpulli mit langer Hose und Socken trug. Etwa zwei Wochen zuvor herrschten Temperaturen von kappen 45 Grad bei Merzouga. Schnee lag jedoch keiner mehr, vielleicht in den höheren Lagen. Die Berge um mich herum ragten bis zu 3500 Meter empor.

In den drei Tagen die ich in den Bergen unterwegs war überquerte ich drei Pässe. Ich genoss die Fahrt, stoppte ab und zu zum Tee oder Rasten. Fuhr aber an sonst durch. Habe ich doch in den letzten zwei Wochen nur 500 Kilometer zurückgelegt. Es war Zeit wieder Strecke zu machen.

Langsam aber Stück für Stück änderte sich die Landschaft. Erst der Karge hohe Fels, kurz vor dem Dorf Agoudal das erste Grün, Getreidefelder- und Wiesen. Menschen kamen mir mit Hacken und Schaufeln entgegen die sie auf dem Gepäckträger ihrer Fahrräder transportierten. Vom kurzen aber heftigen Regen des Vortages zeugten die Dreck und Steinmassen die auf die Straße gespült wurden.

In den Bergen habe ich mich auch nach einem Teppich umgesehen. Ein Souvenir das ich mir zulegen wollte. Zuvor in der Todra Schlucht habe ich mich schon mal etwas umgehört was so ein Teppich kosten wird, bzw. welcher Preis verhandelbar ist. Für eine etwas kleineren wie ich ihn wollte müsse ich wohl zwischen 250und 350 Dirham zahlen. Eher durch Zufall, ich war auf der eigentlichen Suche nach Wasser fand ich eine Teppich der etwas größer war als gedacht, nahm ihn jedoch trotzdem nachdem ich den Preis bis auf 350 Dirham handelte.

Der letzte Pass war der heftigste. Der Anstieg schien nicht mehr enden zu wollen. Es war aber auch der schöneren von den beiden die ich ihm mittleren Atlas überquerte. Dicht bewachsener Wald der seit einem Tag stetig aber sehr langsam zunahm nachdem ich die Baumgrenze passierte wechselte mit blanken kargen steil empor ragenden Felsen. Leider war der Akku der Kamera leer. Ich hatte zu viele Bilder und Videos im hohen Atlas gemacht. Dazwischen Schafherden mit Berbern und deren Hunde. Ein Engländer erzählte mir in der Vergangenheit dass ich mich vor den Hunden in Acht nehmen sollte. Sie sind noch schlechter erzogen als die spanischen. Und ich sollte auch dies am eigenen Leib erfahren.

Ich fuhr bergab, zwischen dem Übergang vom hohen zum mittleren Atlas als ich plötzlich Hunde bellen hörte. Kurz darauf sah ich Scharfe und schon war ein Hund links, der andere rechts von mir. Die Zähne fletschend rannten sie neben mir her und kamen deutlich näher. Ich wusste nicht ob sie zubeißen würden oder nur so tun als ob. Aus Reflex hob ich beide Beine von den Pedalen, bereit um ev. Zutreten zu können. Währenddessen gewann ich an Fahrt und wurde immer schneller. Irgendwann ließen die Hunde ab jedoch bellten sie weiterhin. Der Schreck saß mir noch eine Weile in den Knien.

Kurz nach El Ksiba fuhr ich auf der Nationalstraße nach Marrakesch. Ich ließ mir Zeit, war es doch mittlerweile nach dem 8 Juni und die EM in Polen und in der Ukraine in vollem Gange. Paolo (Radnomaden den ich zwei Tage vor Barcelona traf) muss wohl jetzt auch dort angekommen sein. An manchen Tagen legte ich morgens und am frühen Nachmittag die Tagesetappe von im Schnitt 70 Kilometer zurück und nachmittags und abends verbrachte ich die Zeit in den Restaurants an den Rasthöfen. So auch am letzten Tage bevor ich Marrakesch erreichte. In den etwa sieben Stunden die ich in dem Restaurant verbrachte speiste ich, trank Café, Tee und Cola. Kuchen gab es „Gratuite“ wie der Kellner meinte. Zum frühen Abend  bestellte ich Tajin und Omelett. Anschließend spielte Deutschland gegen Holland und gewann mit 2:1 Das Restaurant wurde immer voller und alle jubelten als Deutschland die Tore schoss. Als ich die Rechnung zahlte meinte der Kellner 29 Dirham. Ich fragte mich nur wer all den Rest gezahlt hatte. Als ich am Abend, es war bereits dunkel gegen zehn Uhr das Restaurant verlies fuhr ich noch zwei Kilometer bis ich bald darauf unter dem Sternenhimmel einschlief. Am nächsten Morgen wurde ich von den rufen „Bon jour Monsieur“ des Schäferjungen wach…




                                    


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