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Von Agadir bis nach Dakhla

Kurz nachdem ich wach wurde, wollte ich das Hotel verlassen um auf der anderen Straßenseite Schoko Croissants zum Frühstück kaufen. John hielt mich jedoch auf der schon draußen vor der Tür bei seinem Frühstück in der Ecke Saß. Schon am Vorabend kam ich mit John in das Gespräch. Der 70 Jährige Rentner aus London „right in the centre of it“ wie er sagte verbringt hier mehrere Monate wie etliche andere Rentner auch. John gefiel mir. Als er mich abhielt davon zum Bäcker zu gehen, schenkte er mir ein Klappmesser das auf jeden Fall wenn ich es auf dem Markt gekauft hätte um die 15 Euro gekostet hätte. Er meinte „you will need it on your way to Dakar, maybe one day you get in real Trouble, you never know Michael“. Klar hatte er recht ich wusste nicht was passieren könnte, jedoch gehe ich nicht vom Schlimmsten aus. Jetzt hatte ich wieder ein scharfes Messer um Gemüse und Obst zu schneiden (leider habe ich mein gutes Leatherman in Spanien vor einigen Wochen verloren. Auf einmal fand ich es nicht mehr. Ich weiß bis heute nicht wie und wo es mir genau abhandengekommen war.) Ich lief mit John noch um ein paar „Blocks“, er zeigte mir wo ich Haferflocken bekam und ich erklärte ihm wie eine Spachteltechnik an der Wand eines Friseursalons angebracht wurde. Ich aktualisierte die Homepage und verließ Agadir gegen 12 Uhr. Eigentlich viel zu spät.

Die ersten Zwei Tage hatte ich ziemlich zu kämpfen um wieder in Fahrt zu kommen. Ein Schild am Straßenrand ließ mich staunen. Da stand  Dakhla. Dahinter 1242 Kilometer. Interessant war für mich aber erst einmal Tiznit. Die 73 Kilometer bis dorthin legte ich noch am ersten Tag zurück. Am Abend des Zweiten Tages, ich hatte gerade eine Abfahrt hinter mir (Das war der letzte nennenswerte Anstieg und Abfahrt bevor die große weite Ebene kam) erblickte ich vor mir einen kleinen Ort. Wie eine leicht gekrümmte Linie passierte die Straße den Ort und verschwand weit hinten am Horizont. Zu Beginn des Ortes wurde ich von der Polizei angehalten. Die erste Passkontrolle von denen nun unzählige folgen sollten (ich habe sie aufgehört zu zählen). Als erstes wurde ich immer nach der Nationalität gefragt und dann nach dem Job. Gut das ich kein spanischer Journalist bin.

Nun ja das Ganze hat ja auch einen Grund. Die Western Sahara befindet sich eigentlich im Krieg. Jedoch mit Waffenstillstand seit 1993. Im Grunde bekam ich davon nur sehr wenig mit (abgesehenen von der massenhaften Militär Präsenz in Laayoune und den ständigen Polizeikontrollen). Der Krieg wird auf politischer Basis getrieben. Es geht um die Western Sahara und den Auseinandersetzungen zwischen Algerien die das Land haben wollen und Marokko die es eben verteidigen. Es werden große Bodenschätze vermutetet. Unter anderem Öl und andere Rohstoffe.

In Guelmim passierte ich das Tor zur Sahara und kurz nachdem ich den Ort verließ sah ich das erste Warnzeichen für Dromedare. Die Landschaft wurde flacher, nur eine Bergkette die sich noch etliche Kilometer Landeinwärts entlang zog war zu sehen. Die Bäume waren verschwunden und vereinzelte Büsche waren zu sehen die jedoch auch bald verschwunden. In Tan Tan wurde ich freundlich von der Polizei mit Klatschen empfangen. Nach dem notieren der Daten und Visakontrolle durfte ich weiter fahren. Im gesamten sind die Polizisten immer ganz nett mit ein paar wenigen Ausnahmen, die wohl nicht ihren Tag hatten. Am besten fand ich jedoch als ich das letzte Gebirge erklommen habe und oben angekommen wurde ich von zwei Polizisten die klatschen den Hampelmann spielten empfangen.

Kurz nach Tan Tan bei einer Hafenstadt zweigte die Straße weiter nach Süden ab. Mir boten sich die ersten Blicke auf den rauen Atlantik. Meist Steilküste von mehreren Meter Höhe. Dazwischen in unregelmäßigen Abständen kleine und größere Buchten mit Sandstränden die ein unglaubliches Ausmaß an breite erreichten. So muss es wohl auch in Western Australien aussehen. Die Wüste trifft auf den Ozean.

Die ganze Western Sahara besteht zu ca. vier Fünftel aus Steinwüste, inklusive den kargen Gebirgen wie das Ahaggar Gebirge z.B. in Algerien (auch bekannt als Hoggar Gebirge) oder das Tibesti Gebirge im Chad. Alle jedoch in dem Zentrum der Sahara. Nur ein Fünftel der Wüste besteht aus Sand. Ich schätze auf meiner bisherigen Route (1000 Kilometer Wüste) stimmte das überein. Ich erinnere mich zu gut an die Sandstürme und die Dünen die dabei waren zu wandern und schon ganze Straßen Blockierten. Bagger waren beschäftigt die Sandmassen zu beseitigen.

Zu Beginn meiner Reise wusste ich so gut wie nichts von der Sahara nur dass sie eben die größte Wüste der Erde ist. Da traf es sich gut als ich damals als ich mir die Landkarten für die westafrikanischen Länder besorgte auf ein Buch gestoßen war. „The life of the great desert“. Das Buch ist vollgepackt mit Fakten und Wissenswertes über die Wüste. Schon komisch sich vorzustellen bei einer Hitze durch eine Wüste zu fahren, am Horizont schimmert die Hitze dunkelblau als ob die Kamele in der Ferne  auf Wasser laufen würden (so sah es wirklich aus) und dabei an eine Zeile aus dem Buch zu denken“In einer Oase in der Wüste wo sich eine Wasserstelle befindet leben Krokodile“. Kann das sein!

Nun es wir berichtet das Kamelkarawanen bis zu 400 Kilometer bis zur nächsten Wasserquelle zurücklegen mussten. Bei mir betrug die längste Distanz zwischen Wasserquellen (Han oder Flasche) 160 Kilometer. Ich musste also meine Tagestrecken planen und die Orte bzw. Tankstellen beachten die ich anzufahren hatte.

Toll fand ich auch die etlichen Autofahrer die meist alle grüßten oder hupten oder aufblinkten. Einmal fuhr ein alter Tankwagen langsam an mir vorbei und wurde immer langsamer. Ich dachte schon der gibt den Geist auf. Bei dem Aussehen und Geklapper hätte mich das nicht gewundert. Auf einmal ragte eine Hand aus dem Fahrerfenster die eine Wasserflasche umklammerte und stark schwankte. Plötzlich viel die Flasche zu Boden. Der Fahrer Hupte mehrere Male und beschleunigte nur ganz langsam und verschwand etliche Minuten später am Horizont. Ich erfuhr später das alte Tanklaster Wasser aus Tan Tan nach Laayoune bringen da das Grundwasser dort zu salzig sei. Bei einer weiteren Begegnung bekam ich zwei Laibe Brot und ein Packen Milch zur Fahrerseite eines Kleinbusses entgegen gestreckt. Manche Menschen glaubten mir das nicht wirklich das ich in den Senegal fahre. Alle drückten mir jedoch den Daumen entgegen.

Ich muss schon sagen zu Beginn war ich ein bisschen nervös was die Psychische beanspruchen der Durchquerung der Wüste auf dem Rad alleine angeht. Nach zwei Tagen legte sich jedoch dieses Gefühl und in den folgenden Tagen immer mehr. Ich dachte zurück an Hasans Vater Mohamed. Der Kamelnomade erzählte von deren Freiheit die ihnen die Wüste bieten und deren Grenzenlosigkeit. Ich glaube ich begann das jetzt am eigenen Leib selbst zu erfahren. Es ist jedoch wichtig es selbst zu erleben um es zu begreifen. Wie bei all den anderen Dingen eben auch. Ich erinnerte mich dass ich einer Freundin sagte dass ich wohl ein neues Limit erreichen werde auf meiner Afrikareise. Und da war es das Limit beginnt bei uns selbst. Im Kopf.

Zu gut kam mir aber auch der Wind was ich fairer weise erwähnen muss. Allein die Strecke von Laayoune nach Dakhla was immerhin 530 Kilometer waren legte ich in nur drei Tagen zurück. Am ersten 195-, am zweiten 185 und am letzten Tag 170 Kilometer. Die gesamte Strecke (knappe 1300 Kilometer) von Agadir bis zur letzten großen Stadt vor der mauretanischen Grenze die noch immer 350 Kilometer von Dakhla entfern liegt legte ich in nur 9 Tagen zurück. Ich dachte im Ernst für einige Momente ich könnte bis zum 28. August Kapstadt erreichen. Aber dies ist eine andere Geschichte.

 

Bald wir Marokko hinter mir liegen, nur noch weitere 350 Kilometer die ich sicher in vier Tagen schaffen werde. Ich bin optimistisch die Strecke auch in drei Tagen fahren zu können.

Das nächste Land ist Mauretanien das für mich nur als Transit Land zählt. Ich möchte die letzten kappen 50 Tage noch im Senegal und im Süden des Landes verbringen. Auch ein kurzer Besuch in Gambia steht noch bevor. Diese Reise gen Süden möchte ich dann im Regenwald in der Provinz Casamance nahe der Grenze zu Guinea Bissau im Senegal beenden. Momentan sieht es wohl so aus das ich mit der Fähre nach Dakar fahren werde um von dort Ende August den Rückflug nach Frankfurt zu nehmen. Anschließend die Fahrt mit dem Rad zurück in den Schwarzwald.

 

Vom Schwarzwald bis in den Regenwald, hört sich doch gut an oder nicht…




                               

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