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Unterwegs in Mauretanien

Nach nur zwei Tagen und rund 350 Kilometer erreichte ich am Abend die Grenze zu Mauretanien. Mohamed empfing mich gleich. Erst dachte ich es handelt sich um einen Mann der mir Mauretanisches Geld wechseln wollte oder sonst etwas andrehen wollte. Er war jedoch für die Sicherheit zuständig und auch der einzige seiner Art. Er zeigte mir einen Platz windgeschützt neben einer Mauer an dem ich das Zelt aufbaute. Später stellte er mich einem Franzosen vor, der hier schon 8 Tage damit verbrachte auf seine zukünftige Frau aus dem Senegal die in Mauretanien festsaß zu warten. Im Restaurant bestellte ich einen Kaffee und gab die letzten Dirham in dem Shop nebenan aus. Ich deckte mich nochmals mit ein paar Packen Milchpulver und Wasser ein.
Ich war bereits im Zelt als ich Mohamed rufen hörte. Als ich das Zelt öffnete reichte er mir zwei gebackene Fische, ein Ei und Brot entgegen. Er verlangte nichts dafür. Am nächsten Morgen gab ich ihm für seine Hilfe 10 Dirham.
In der Nacht hörte ich gelegentlich das Motorengeräusch von Autos das auf einmal erlosch. Ich war erstaunt als ich am nächsten Morgen die beiden Autoschlangen sah die vor der geschlossenen Schranke auf deren Öffnung warteten. Um neun Uhr sollte es soweit sein. Ich hatte noch eine Stunde Zeit. Nicht alle Autos erschienen in der Nacht jedoch die meisten davon.
Es dauerte fast zwei Stunden von Beginn des bekommen des Fisches (Zettel mit meinen Daten für die Grenzbeamten) bis zum „auf Wiedersehen“ des letzten Postens. Am längsten wartete ich jedoch auf den Ausreisestempel der wie ich später feststellte mitten auf das Mauretanische Visum gedrückt wurde. Mit mir warteten Senegalesen, andere aus Mali und der Republik Kongo. Ich war der einzige Weiße zu dieser Zeit.
Zwischen dem Marokkanischen und Mauretanischen Land befindet sich ein ca. vier Kilometer breiter Streifen Niemandsland. Er gleicht einer Müllhalde auf der alles zurückgelassen wird und sich niemand darum kümmert. Meist alte Autos, besser gesagt die Einzelteile oder nur noch die ausgeschlachteten Chassis. Zwischen all dem Müll ist das Land vermint und ich war angewiesen die Piste die sich des Öfteren zweigt nicht zu verlassen. Drei große LKW´s fuhren hinter mir. Noch langsamer als im Schritttempo da immer wieder felsige Abschnitte zwischen dem Sand und Schotter auftauchten. Nach guten 1500 Kilometern auch für mich wieder eine unwegsame Strecke.
In Mauretanien wurde ich dann gleich von Geldwechslern empfangen die ich links neben mir liegen ließ. Ich fuhr direkt auf die verrostete geöffnete Schranke zu und wurde von einem Beamten in grüner Uniform mit grünem Turban auf dem Kopf gestoppt. Es war die erste Person der ich in Mauretanien begegnet war. Er war dunkelhäutig und schickte mich in die Richtung eines Gebäudes deren Türe geöffnet war. Erst jedoch wollte er wissen wer ich bin, fragte woher ich kam und wohin ich gehe. Er fand Gefallen an meinem Rad und ließ es sich nicht nehmen es mir abzunehmen und es selbst an zu einer Mauer zu schieben um es dort sehr schief fast liegend abzustellen. Dabei fiel ihm das Rad fast um, ich konnte es gerade noch stützen bevor es auf die hintere Packtasche viel in der mein Notebook verstaut war.
In dem Gebäude wartete ich erst eine Weile bis mir mitgeteilt wurde das eine Kopie des Personalausweiß verlangt wird. Ich lief zurück zum Rad und bemerkte einen weiteren Beamten der mit seiner schwarzen Sonnenbrille und ebenfalls grüne Kleidung mit grünem Turban neben dem Rad stand. An einer Leine führte er einen Hund. Einen deutschen Schäferhund.
Zurück in dem Gebäude wurde auf die Kopie den Grund meines Aufenthaltes und den Ausreise Ort geschrieben. Ich wollte Mauretanien nicht über Rosso verlassen sondern über den 100 Kilometer westlichen Übergang Diama der auf einer Piste zu erreichen war. Anschließend durfte ich weiter. Ein junge winkte mich zu sich, meinte ich sollte ihm folgen. Mir blieb nichts anderes übrig, er lief in dieselbe Richtung wie ich mein Rad schob. Er zeigte auf ein weiteres Gebäude in das ich gehen sollte. An einer Mauer stellte ich das Rad ab, jedoch so dass ich es von der offenen Türe noch sehen konnte.  anderer Junge meinte „ keine Angst das Rad wird nicht geklaut“. In einem kleinen Büro legte ich meinen Pass in die vorhandene Reihe und wartete bis ich aufgerufen wurde. Die üblichen Fragen folgten und die Frage nach dem Verkehrszeichen. Ich sagte dass das Rad kein Nummernschild besaß. Anstelle gab ich den Namen des Rades an. Er tippte „Faisst“ in den Computer und ich bekam auf der anderen Seite an einem Schreibtisch vor dem schräg daneben ein Mann Saß den erwarteten Einreisestempel in den Pass gedrückt. Das war’s, ich war durch. Zwei Kontrollen folgten und die Schranke öffnete sich. Der Junge von zuvor rief mir noch zu ob ich Geld wechseln wollte. Ich verneinte und er fragte darauf hin wo ich denn übernachten wollte. Camping sagte ich. Er empfahl mir Camping ABBA in Nouadibou, die erste Stadt die ich in Mauretanien erreichte. Nach nur 20 Minuten war ich durch und fuhr die Strecke bis Nouadibou.
Unterwegs, ich war gerade einige Kilometer gefahren sah ich etwas in der Ferne, das groß aussah und sich langsam bewegte. Ich dachte an eine große Karawane von Dromedar. Bei genauerem Hinsehen erkannte ich die Loren des Eisenerzzuges von Mauretanien der unterwegs war in dieselbe Stadt wie ich auch.
Nach drei Polizeikontrollen erreichte ich die Stadt und war geschockt von dem Bild das sich mir bot. Ziegen liefen auf den Straßen umher, die sich durch die Müllhalden wühlten um nach essbarem zu suchen. Ich sah welche die Pappkarton und die Etiketten der Plastikflaschen aßen. Nur durch das bewegen der Autos realisierte ich das ich nicht auf einem Schrottplatz war. Lichter fehlten komplett oder waren zerschlagen, Lackierungen der Fahrzeuge nicht vorhanden, das rohe verrostete Etwas wurde durch Drähte, Schnüre oder Bänder zusammen gehalten. Ein Chaos vom feinsten, die Autos Hupten noch schlimmer als in Marokko -und braucht man hier überhaupt einen Führerschein?- Dachte ich.
Am Abend auf dem Campground traf ich auf Andrea, ein Italiener der mit seinem schwarzen Defender unterwegs war um neue Aufnahmen für seine Vorträge zu sammeln.
Am nächsten Morgen bin ich früh aufgebrochen. Vor mir lag der 42 Kilometer lange Rückweg zum Polizeiposten an dem ich am Vortag abgebogen war. Wie auch auf dem Rückweg von Dakhla in Marokko hatte ich Gegenwind und brauchte für die Strecke fast 4,5 Stunden. Im Schnitt mit 10 Kilometer in der Stunde. Manchmal nur 8 Km/h und wenn der Wind es gut mit mir meinte auch schon mal 15 Km/h. Eine Qual aber ich wusste dass es kommen würde was es deutlich erträglicher machte. Nicht so erträglich war jedoch die Tatsache das mir zwei Polizisten nachdem ich den zweiten Posten passierte „security Schutz anboten“ ich meinte ich brauche diesen nicht, hatte jedoch keine Chance den es hieß das dies nötig sei. Etwas verärgert und zu gleich verwundert lief ich zurück. Ich dachte immer wieder an die Erzählungen anderen wie z.B. denen von dem Missionar den ich in Rabat traf als ich das Visum beantragte. Er meinte die wollen dir alle Helfen und sich alles bezahlen lassen.
Nun als ich so fuhr malte ich mir aus ob und wie viel sie für den notwenigen Services verlangen würden. Dies regte mich so sehr auf, das ich stoppte, das Rad abstellte und zu dem weißen Polizeiauto lief das mich zuvor überholt hatte und vor mir am Straßenrand parkte. Der Fahrer war gerade am Telefonieren. Zwischen ihm und dem Beifahrer (er hatte zuvor meine Ausweis kontrolliert lag eine Maschinengewehr das den Schaltknauf überdeckte.
Ich sagte den Beamten nochmals dass ich den Service nicht bräuchte. Er meinte jedoch nur dass es nötig sei und in diesem Revier sei er dafür verantwortlich. Noch mehr verärgert lief ich zurück zum Rad und fuhr langsam weiter, gefolgt von dem weißen Auto hinter mir. Eine gefühlte Ewigkeit später, ich hatte mich bereits mit dem Gedanken einer Rechnung einigermaßen angefreundet fuhr das Auto auf einmal an mir vorbei. Der Beifahrer Winkte und ich war erleichtert. Für ganze 20 Kilometer folgten sie mir, über zwei Stunden bis sie wohl die Lust verloren hatten.
Nach guten drei Kilometer dann der Schock. Das Auto stand am Straßenrand und wartete. Kurz nachdem ich es passierte fuhr es wieder an mir vorbei. Das Spiel wiederholte sich bis zum Polizeiposten bei dem ihr Revier endete. Ich war erleichtert dass dieses Spiel nun ein Ende fand und eine Rechnung bekam ich auch nicht. Stattdessen Glückwünsch für die Weiterfahrt. Jetzt ärgerte ich mich über mich selbst und musste das eingeredete Bild das ich von den Menschen hatte vergessen, zumindest sah alles anders aus.
Nach einem Wasserstopp und einigen Kilometer weiter war es dann so weit, ich sah den ersten Dornbusch und bald darauf den ersten Dorn Baum. Was war das für ein Ereignis, nach so vielen hunderten Kilometern Dürre.
Die Strecke von Nouadibou bis nach Nouakchott, der Hauptstadt betrug 470 Kilometer die ich in drei Tagen zurücklegte. Dazwischen gab es nur eine Stadt die ich jedoch passierte da sie unscheinbar aussah und mir erst auffiel als ich die Karte studierte. Sonst nur vereinzelte Nomadenzelte in denen Menschen hausten. Oder auch in einfachen Holzhütten die aus dünnen Spanplatten gefertigt waren und die Schlitze mit Kartons importierten aus diversen Länder winddicht gemacht wurden. Die Landschaft änderte sich ständig, ich passierte auch noch Dünenlandschaften und erreichte die Dornbuschsavanne die für deutlich schöne Abwechslung sorgte.
Einmal übernachtete ich bei einer Tankstelle nachdem ich von der Polizei gestoppt wurde. Sobald es gegen 17 Uhr ging wurde ich immer gefragt wo ich den übernachten wolle. Ich hatte gar keine Chance zum Wildcampen. Als ich es dann doch versuchte wurde ich prompt von der Gendarmerie abgeholt, musste alles Packen und das Rad wurde mit samt Taschen im Kofferraum der Hilfsbereiten Menschen verstaut. Was für ein Erlebnis das nichts kostete und Abendessen und Dusche gab es auch noch gratis dazu. Woher wusste nur die Polizei dass ich hier war. Der Chef erzählte mir das er vom vorherigen Posten den ich gut 40 Kilometer zuvor passierte angerufen wurde. Der Posten war an einer Tankstelle an der ich mein Wasser auffüllte und bei der ich drei Europäer traf die ihre Autos in den Senegal einführten um sie zu verkaufen. Leider war Fotografieren nicht erlaubt und so bleiben mir die Erinnerungen und der Eintrag im Tagebuch vom Erlebnis der Gendarmerie
Am nächsten Tag fuhr ich nochmals 180 Kilometer bis zur Hauptstadt. Der Chef des Reviers wollte mich in dem Pick- Up mitnehmen. Ich winkte jedoch dankend ab. Ich wollte es bei den 15 nicht selbst gefahrenen Kilometern belassen. Nach 110 Kilometer kam er mir wieder entgegen (Er war auf dem Rückweg zu Posten), stoppte und war sichtlich froh mich zu sehen.  Die schwerste Etappe beendete ich glücklich in der Auberge Sahara in Nouakchott (100 Kilometer lang, gefühlte 200 hatte ich Gegenwind). In der Herberge warteten saubere Duschen auf mich und das beste von allem eine Küche zum selbst Kochen. Die letzte hatte ich wenn ich mich richtig erinnere in Lissabon und das ist ewig her. Ich glaube es war im März oder April. Ich gönnte mir zwei Tage Auszeit, kochte jeden Tag Spagetti mit Tomatensoße und trank Literweise H-Milch die aus Deutschland importiert wurde. Ich fühlte mich wie im 7 Himmel.
Vor mir und der Grenze zum Senegal lagen nur noch 300 Kilometer da ich mich für den Übergang in Diama entschieden habe. Hauptsächlich wohl wegen den Schleppern die in Rosso auf beiden Seiten tätig sind aber auch wegen des Nationalparks auf der mauretanischen Seite indem ich die ersten Tiere so hoffte ich zu sehen bekommen würde.
Landschaftlich war wieder eine riesige Veränderung zu sehen, die Dornbüsche häuften sich und auch andere Bäume wuchsen. Auch zwei drei Oasen mit Dattelpalmen passierte ich. Die Zelte waren auch verschwunden und richtige kleine Dörfer erschienen die sich nur wenige Kilometer voneinander an der Straße lang reihten. Kinder riefen mir zu, auch Frauen und Männer riefen und winkten, wollten Geschenke oder einfach nur schauen welche weiße Person da auf einem Fahrrad kommt. Fahrräder in Mauretanien sind selbst in der Hauptstadt eine Seltenheit.
Zwei Übernachtungen bei der Gendarmerie später und den ersten Begegnungen mit Wildtieren (Wildschweine, Schlangen und Vögel) war es dann soweit. Ich verließ Mauretanien unkompliziert mit nur einer kurzen Wartezeit da die Herrschaften beim Zoll gerade beim Essen waren und ich so durch ein paar Minuten auf den Ausreisestempel warten musste. Ich war bereit für Land Nummer 7 meiner Reise in dem die Reise in Afrika auch zu Ende gehen wird…




                                       


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