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Die letzten Tage

Als das Schnellboot am Pier anlegte, wartete bereits Tom und Am. Tom organisierte das Boot mit dem Transfer zum Hafen und zurück nach Kuraburi. Am ist seine Frau. Tom brachte mit dem Kapitän zusammen die Rucksäcke vom Boot, während Am uns mit Plastikbecher die mit mehr Eis als Limonade gefüllt waren entgegen kam. Nach sieben Tage auf der Insel mit dem nötigsten was ich brauchte, fand ich es merkwürdig  und empfand es als Luxus hier am Pier mit Eis im Getränk empfangen zu werden. Wir luden die Rucksäcke zusammen auf die Ladefläche von Tom’s Pickup. Frank und eine Frau fanden noch Platz neben dem Gepäck. Wir anderen nahmen platz auf den zwei Sitzbänke des Songtaheo mit dem Am gekommen war. Auf der 9 Kilometer langen Fahrt zurück in die Stadt wurde ich vom ersten Moment an die Lebensweise und dessen Situation erinnert. Mir wurde erst jetzt wirklich bewusst dass sich dieses Bild in den letzten Tag in den Hintergrund gestellt hatte. Ich war zurück in der Realität Thailands.

Frank brach am frühen Abend mit dem Nachtbus nach Bangkok auf. Ich erzählte ihm von meinen Tage im Khao Yai Nationalpark. Mit Lothar zusammen fuhr ich mit dem Bus nach Süden. Er wollte am späten Abend in Phuket eintreffen und ein paar Tage bei einem bekannten bleiben. Bei einem Stopp von 20 Minuten in Takuapa kaufte ich zwei Mangos auf dem Markt hinter dem Busbahnhof. Die Frau schälte sie und schnitt sie mir in mundgerechte Stücke die ich dann während der Fahrt verspeiste.

Die letzten Tage war ich mir unsicher wo ich die verbleibenden Tage verbringen möchte. Es war zu spät um noch tief in den Süden vorzudringen und Kilometer machen wollte ich auch nicht mehr. Erst tat ich mir schwer nach so einer schönen Woche (ein denkbarer guter Abschluss meiner Reise) mich in eine touristische Gegend zu begeben, doch das Interesse war zu groß. Aller rieten mir davon ab. Ich wollte sehen was der Tsunami von 2004 in Khao Lak angerichtet hatte und was davon noch zu sehen war. Ich wollte das ganze besser verstehen in dem ich mir die Gegend anschaue. Um 18 Uhr verabschiedete ich mich von Lothar und stieg aus dem Bus der am Straßenrand von Khao Lak anhielt. Ich kam mir ganz verloren zwischen dem touristischen Geschehen um mich herum vor. Auf dem Weg zu Tiffy’s Café lief ich an den Ständen der Souvenirgeschäfte vorbei. In den Restaurants tummelten sich Leute. Speisen waren in Englisch, Franzosisch, Deutsch und anderen Sprachen ausgeschrieben. Thais stellten neben ihre Privatwagen große weiße Schilder auf. Darauf stand in roter Schrift „Taxi“. Manche schrieben noch sehr bekannte Ziele darunter wie Khao Sok National Park oder auch Ko Phuket. Sie standen auf beiden Straßenseiten manchmal nur ein paar Meter voneinander entfernt.

Tiffy’s Café war ein kleines und sehr gemütliches Restaurant mit einer großen Bambusterrasse. Ich blieb für zwei Tage in dem Schlafsaal mit sechs Betten der sich hinter dem Restaurant befand. Ich hatte den Saal für mich alleine.

Nach einem Frühstück lief ich entlang der Hauptstraße nach Ban Niang. Am Straßenrand standen Blaue Schilder mit einer weißen Welle darauf. „Tsunami Evacuation Route“ stand darauf und war das zweite was mich die Katastrophe von 2004 erinnerte. Am Abend zuvor lief ich durch Hat Khao Lak als mir zwischen modernen Hotels ebene Schotterflächen auffielen. Die Schilder weisen den Weg auf eine Anhöhe von wo man aus sicher vor den Wellen ist. Mir vielen Sierren an einigen Orten auf, die die Menschen warnen wen sich bestimmte Wellen auf das Land hinzubewegen.

Registriert werden die Wellen durch ein komplexes System, dass Tsunami früh warnungs- System genant wird. Ein Sensor auf dem Meeresboden erfasst unregelmäßige Aktivitäten, leitet diese weiter an eine Boje die die empfangenen Daten an eine Zentrale sendet. Anhand der Daten bestimmt die Zentrale das weitere geschehen und gibt eventuelle eine Tsunami Warnung raus.

Nach gut drei Kilometer erreichte ich Ban Niang. Der wesentliche Grund warum ich hier her aufgebrochen war ein Besuch im Tsunami International Museum. Der Eintritt, eine Spende von 100 Bhat kam den Opfer und dem Wiederaufbau zugute. Neben allgemeinen Informationen wurde auch erläutert warum die Welle so eine Wucht hatte und so weit ins Landesinnere von Khao Lak vorgedrungen war. Khao Lak war der am schlimmste betroffene Ort Thailands.

Die lang gezogenen Strände sind die am westlichsten gelegenen Thailands (Festland)    und fallen nur langsam im Wasser ab. Als die Welle kurz zuvor auf das Festland getroffen war gewann sie so durch zusätzlich an Höhe. Auf Ko Phuket hingegen fällt die Küste im Meer stark ab, was die Welle abbremste und sie so durch an wucht verlor.

Für mich jedoch am Interessantesten waren die Bilder der Videos. Sie verdeutlichten mir das Bild und gaben mir genaue Vorstellungen. In den Videos war zu sehen wie Menschen die Welle filmten als sie auf das Festland traf, wie sie Bäume, Autos und Häuser mitriss, wie sich Menschen verzweifelt das geschehen anschauen, sich an Geländer klammerten um ihr Leben kämpften und mitgerissen wurden. Personen schwammen zwischen Trümmern. Denen es besser erging standen auf den Dächer der Häuser und beobachtet fassungslos das Geschehen um sich herum. Boote trieben an Häusern vorbei in Richtung Landesinnere. Das Wasser zog langsam wieder ab. Durch den Sog wurde einiges auf die offene See mitgezogen. Tage danach borgten die Menschen (viele Einheimische) die toten unter den Trümmern und trugen sie an Händen und Füßen, sofern diese noch vorhanden waren. Die Leichen wurden in weiße Leintücher gewickelt und auf den Ladeflächen der LKWs Meter hoch gestapelt. Die Menschen trugen zum Teil keine Handschuhe und nur selten ein Maske im Gesicht.

Mit Booten fuhren sie hinaus auf das Meer. Ein Mann sprang in das Wasser. In der Hand hielt er das Ende eines Seils. Er schwamm rasch zu der Leiche die auf dem Bauch mit dem Rhythmus des Wassers auf der Oberfläche trieb. Der Mann wickelte das Seil einmal um den leblosen Körper und verknotete es. Es dauerte  nur wenige Sekunden bevor er zurück zum Boot schwamm. Der Kamera Mann drehte ab. Auf dem Bild erschienen Unmengen von Leichen die im Wasser trieben. Darunter einige Kinder.

Vom Museum aus war es nicht mehr weit bis zum Tsunami Denkmal „Polizeiboot 813“. Es befand sich 2 Kilometer von der Küste im Landesinneren. Die Wellen trugen es am Unglückstag bis zu der Stelle an dem ich das Boot vorfand. Es wurde nicht versetzt und blieb genau an seiner Stelle an der es zum liegen kam. Das Boot befand sich an dem Tag vor der Küste zum Schutz einer hochrangigen Person. Die Umgebung war Gras bewachsen und etwas weiter entfernt bauten Menschen eine einfache Hütte. Sie sah den anderen in der Umgebung ähnlich. Kurz bevor ich über die kleine Holzbrücke zurück zur Hauptstrasse laufen wollte sprach mich ein Verkäufer eines Touristenstandes an. Mit der Zeit habe ich gelernt die Leute freundlich zu grüßen und weiter zu gehen da fast alle versuchten mir ihre Waren an zu drehen. Dieses Mal war es anders und ich lief auf den Stand des Mannes zu. Ich suchte noch nach Schalen und Besteck aus Kokos und anderen Holzarten. Der Mann legte sofort mit seinen Verkaufskünsten los. Nachdem ich die maßlos überteuerten Preise erfragte, war mir klar dass so manch ein Tourist bereit gewesen wäre diesen Preis zu zahlen. Ich unterhielt mich noch eine Weile mit dem Mann der mir stolz seine deutschen Worte nannte bevor ich ohne Schalen und Besteck weiter lief. Offenbar brachten Deutsch Touristen  ihm die Worte bei.

Auf meinem Weg zum Strand lief ich an Fassaden vorbei die ich zuvor in einem der Videos im Museum sah. Jetzt konnte ich mir das Ausmaß noch besser bzw. bildlicher vorstellen. Das Wasser stand damals an dieser Stelle gute vier Meter hoch. Auch als ich weiter lief waren die folgen gut zu sehen. Ganze Blocks waren unbebaut. Nur ein Schotterplatz befand sich Umgeben von Schneidergeschäften, Bars und Hotels. Viele der Bauplatze standen zum verkauf.

Für etliche Kilometer lief ich am Strand entlang. Menschen meist ältere Paare lagen auf Liegestühle und ließen sich mit Meerblick massieren. Ich fühlte mich nicht ganz wohl als ich an einem nach dem anderen Hotel direkt am Strand vorbei lief. Ich konnte nicht verstehen wie diese Leute mit einem so ruhigen gewissen wie es den Anschein hatte hier am Strand zu liegen und sich zu erholen. Als ich am Strand entlang lief war ich mir sicher dass keine Welle auf das Land zurasen würde (dafür wäre die Chance so hoffte ich viel zu gering). Mit dem gedankte das vor Jahren hier alle Mensche um ihr Leben kämpften könnte ich meinen Urlaub hier nicht genießen.

Zwischen der Grenzmauer eines neuen Beton Hotel mit Glasfront und einem Lehrstehenden Hotel fand ich ein Bild einer Frau. Zu diesem Zeitpunkt war sie vier Jahre jünger als ich. Sie hatte den 24 Dezember 2004 nicht überlebt. Angehörige schrieben Abschiedstexte neben ihre Bilder.

Am späten Nachmittag kehrte ich nach Hat Khao Lak zurück, kaufte an einem Obst- und Gemüsestand eine Pomelo und eine Ananas und kehrte anschließend zurück in meine Unterkunft.

Am Abend wurde ich am Rande von Khao Lak doch noch fündig. Der Verkäufer packte  mir die aus Kokos- und Mangoholz hergestellten Schalen und das Besteck in Zeitungspapier ein. Während er die Sachen in das Papier wickelte erzählte er mir von der Korrupten Regierung die viel Geld deren Bürger kassiert. Vor Zehn Jahren ist er hierher gezogen und öffnete seinen kleinen Laden in der Garage. Er musste auch hier gewesen sein als die Welle herein brach. Ich getraute mich jedoch nicht ihn auf dieses Thema anzusprechen. Aus Respekt und Achtung der Menschen. Ich wusste nicht wie er reagieren würde. Ich wusste außerdem nicht ob er Verwandte verloren hatte und ich ihn mit meinen Fragen verletzen würde. Während meines Aufenthalts in Khao Lak sprach ich niemand direkt auf die Katastrophe darauf an.

Am nächsten Morgen genehmigte ich mir ein Frühstück. Dabei stellte ich die neusten Texte und Bilder online.

Ich wartete bereits schon knappe zwei Stunden auf den Bus. Ich sah die Köchin von Triffty’s Cafe in meine Richtung kommen. Sie stoppte mit ihrem Motorbike und schaute ganz verwundert,  warum ich noch da auf meinem Rucksack saß. Sie teilte mir mit das die Busse hier jede halbe Stunde halten würden. Es fuhren jedoch nur überladene Schulbusse vorbei. Einer nach dem anderen. In dem Moment als sie meinte ich solle doch ein Stück zurück laufen fuhr er an. Der Bus nach Takuapa. Ich winkte der Köchin zum Abschied und stieg in den Bus ein. Meinen großen Rucksack legte ich neben dem Fahrer im Mittelgang ab. Kurz nachdem ich saß kam der bisher älteste Mann der mir eine Fahrkarte verkaufte. Im ersten Moment fand ich ihn äußerste unfreundlich. Nach einer Weile machte ich Bekanntschaft mit meinem Nachbar. Er stellte sich als  Mr. Naa  vor. Nach einer Weile sprach ich ihn auf den Fahrkartenverkäufer an. Er meinte er sei nicht unfreundlich aber alt. Als ich ihm von meinem Reiseziel Surat Thani erzählte meinte er ich müsste  den Bus in Takuapa nicht zu wechseln. Er würde nach seinem zwanzig Minuten Aufenthalt weiter fahren und er fahre auch weiter bis zum Khao Sok National Park. Die Landschaft wurde jetzt deutlich hügliger und bald darauf fuhren wir einen steilen Anstieg die Berge hinauf. Entlang der Straßen wuchsen Ölpalmen und Kautschuk Bäume über die Kuppen der Berge hinweg. Die Kokos Palmen wurden immer seltener. Mr. Naa wollte das ich ihn auf sein Alter schätze. Ich lag um Jahre daneben. Ich schätzte ihn auf 26 Jahr. Er war 35 Jahre alt. Mr. Naa arbeitete als Tourguide im Süden. Er hatte einen Tag frei und war auf dem Weg nach Hause zu seiner Familie die im Khao Sok Nationalpark lebte. Er zeigte mir stolz seinen Guideausweis und gab mir eine Adresse eines Freundes der mich bei meinem nächsten Besuch mit einem Mini Van von Surat Thani abholen könnte. Er erzählte mir voller Begeisterung von seinem Job als Guide während er mir Bilder seiner Digitalkamera zeigte. Die Jahre zuvor arbeitete er mit seiner Familie zusammen die rund 1000 Kautschuk Bäume besaßen. Die Arbeit ist hart und das Ergebnis des Rohgummis manchmal ungewiss wenn die Regensaison einsetzt.

Er war ein wirklich netter Mensch und hatte offenbar richtig viel Spaß mit seiner Arbeit.

Nachdem er am Eingang des Parks ausgestiegen war um dort auf seine Familie zu warten die in abholten, ragten immer imposantere Karststeinformationen  aus der bergigen Landschaft empor. Vereinzelte Hütten sah ich zwischen dem dichten Grün. Eine Zeit lang fuhren wir entlang eines mittelbreiten Fluss in dem braunes Wasser sanft durch die Landschaft floss. Um die Mittagszeit stoppte der Bus am Bahnhof von Surat Thani der mehrere Kilometer von der selbigen Stadt entfernt lag. Spontan entschied ich mich die letzten beiden Tage in Prachuap Khiri Khan zu verbringen. Für den 16 Uhr Zug gab es noch freie Plätze in der 3 Klasse. Am Schalter des Bahnhofs kaufte ich mein Ticket und verbrachte die zwei Stunden Wartezeit bis zur Abfahrt in der kleinen Stadt. Meinen großen Rucksack gab ich bei der Gepäckaufbewahrung ab, den kleinen behielt ich bei mir. Die Preise im Süden waren fast doppelt so teuer wie im Norden. Ich lief durch die Gassen der Stadt in denen Einheimische einkauften. Eine Frau und ein Mann schauten sich die Regale vor einem Geschäft an die auf dem Gehweg zum Verkauf standen.

Langsam erschienen mir die Gedanken dass es bald zurück nach Europa geht  immer realer. Ich stellte immer öfters fest das ich die Anblicke die sich mir boten die letzten sein werden. Ich versuchte mir das Land vorzustellen aus dem ich kam, dass sauber, durchdacht und in dem alles seine Ordnung hatte. Ich wollte noch nicht wieder zurück.

Ein Bahnbeamter läutete so eben mit der Glocke um auf den 16 Uhr Zug hinzuweisen der ein paar Minuten darauf einfuhr. Generell haben fast alle Busse und Züge Verspätung. Ich musste lachen als ich mich gedanklich in einer Situation an einem deutschen Bahnhof befand auf dem eine freundliche Stimme fünf Minuten Verspätung des Zuges ankündigte und die Menschen anfingen sich fluchend zu beschweren. Kurz bevor ich einstieg, wurde ich angesprochen ob ich nicht nach Bangkok fahre. „Oh nein ich steige schon in Prachuap Khiri Khan aus“ äußerte  ich mich, was auf  halber Strecke bis Bangkok lag. Die Begleitung der Jungen Frau meinte ich solle doch mit der Frau fahren und ob ich denn schon eine Freundin habe. An deren Blicke malte ich mir deren Gedanken aus.

Beim Kauf einer Fahrkarte bekommte man einen Sitzplatz zugewiesen der eingehalten werden muss. Es kostete aber nichts extra und war im Preis der Fahrkarte mit inbegriffen. Der Zug stoppte quietschend und die Menschen stiegen ein.

In dem Abteil in dem ich mich befand, war ich der einzige weiße Tourist. Die Menschen schauten mir zu wie ich meine Rucksäcke auf die Ablage über deren Köpfe legte. Das Abteil hatte jeweils vierer Sitzgruppen. Ich teilte meine mit einem Mann. Auf der anderen Seite saßen eine Frau mit ihrem Mann und die junge Frau vom Bahnsteig zuvor. Der Zug rollte langsam und ruckelnd los…  


                               

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