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Die Überfahrt mit anschließendem Kultur Schock

Um 21.30 Uhr lief ich nochmals zurück in den kleinen Supermarkt unweit von der Hafenpromenade. Ich deckte mich nochmals mit zwei 500 Gramm Erdnussbutter ein. Anschließend kehrte ich im Eilschritt zurück zum Hostel um das Rad abzuholen das ich tagsüber dort stehen lassen durfte und fuhr zum Terminal um einzuchecken.

Mit zwei Tickets für die Fahre befand ich mich anschließend auf dem Parkgelände auf dem die Autos bereits in Reihen standen. Mehrere hoch beladene alte Sprinter und andere weiße Busse standen auf dem Parkplatz. Die Möbel, Autoreifen, halbe und ganze Fahrräder und andere Second Hand Waren türmten sich auf den Dächern der Autos.

Nach einer gefühlten Ewigkeit und zwei Telefonaten ging es dann endlich weiter, Ich fuhr dem Roller hinterher der mich und die Autos hinter mir zur Laderampe der Fähre dirigierte.

Oben auf Deck sechs der Fähre bekam ich an der Rezeption die Karte für Kabine 640. Zwei weitere befanden sich bereits in der Kabine als ich dort eintraf. Ein dritter kam etwas später nach. Vier Betten befanden darin, ein Schrank indem ich die Packtaschen abstellte und eine Nasszelle mit Waschbecken und Dusche. Im Hintergrund tönte arabische Musik aus einem Handy. Ich machte mich bekannt mit meinen Kabinenpartnern während einer mir aus dem Schrank eine Leiter holte und sie mir am oberen linken Bett befestigte.

Ich hielt mich gar nicht lange auf, verstaute alles und lief zurück zur Rezeption und die Stufen hinauf zu Deck acht von wo aus ich das Geschehen draußen beobachtete. Noch immer rollten die Autos im Schritttempo an und verschwanden im Heck des Schiffes. Beim genaueren Umherschauen auf dem Schiff bemerkte ich das ich keinen Europäer mehr sah. Ich schätzte die meisten waren wohl Marokkaner. Auch einige farbige liefen umher. Es war bereit nach 2 Uhr als das Schiff die letzte Steinmauer des Hafens passierte und auf das offene Mittelmehr hinaus fuhr. Für mich war es Zeit um schlafen zu gehen.

Ich schlief sehr gut, was wohl am Schlafmangel der letzten Tage lag. Es war bereits zehn Uhr als ich wach wurde, duschte und frühstückte. Die anderen erzählten mir dass man auf Deck acht den Einreise Stempel für Marokko bekommt. Ich ließ mir jedoch Zeit und befand mich ca. eine halbe Stunde später in der langen Warteschlange die vorbei an der Tanzfläche führte. Zwei Zivil gekleidete Beamten saßen an einem runden kleinen Tisch mit einem Laptop und verteilten die Stempel nachdem die Papierarbeiten erledigt waren. Während des Wartens verfolgte ich das Geschehen, um mich herum schienen fast nur Marokkaner zu sein, eine Hand voll Franzosen und vier offensichtliche europäische Touristen. Zwischen drin immer mal wieder farbige, wohl Senegalesen. Mit einem kam ich ins Gespräch, er fuhr wohl nicht das erste Mal und war mit einem beladenen Auto unterwegs zurück in sein Heimatland. Drei Tage brauchte er von Marokko bis Senegal. -Eine Strecke für die ich mir etwa drei ein halb Monate Zeit lassen würde- dachte ich mir. Er wunderte sich warum ich auf meinem Einfuhrschein keine Fahrzeugnummer stehen hatte. Ich sagte ihm dass ich mit dem Rad fahren werde. Er war nicht verwundert deshalb. Redete er wohl schön öfters mit verrückten Europäern die mit dem Rad die größte Wüste durchqueren wollten??

Natürlich kamen da viele neue Eindrücke auf mich gleichzeitig zu womit ich doch nicht gerechnet hatte oder besser gesagt nicht wusste was da denn alles kommt. Es sollte aber noch viel mehr davon kommen die mich doch glatt wie ein Schlag ins Gesicht trafen. Gedanklich war ich an die Freiheiten der letzten vier Monate in Europa gewohnt und musste mich erst daran gewöhnen und darauf einstellen.

Den Nachmittag verbrachte ich auf dem Heck des Schiffes. Da war zwar ein Pool jedoch kein Wasser darin. Ich wühlte mich durch den Lonley Planet und hörte Musik.

Die Lautsprecherdurchsage weckte mich am nächsten Morgen. In ca. zwei Stunden wir das Schiff im Tanger Port Mediterrane einlaufen. Ich frühstückte in Ruhe, packte meine drei Taschen, gab den Schlüssel an der Rezeption ab und lief hoch auf das letzte Deck um das Geschehen draußen zu verfolgen. Erste Berge waren in Sicht. Spanisches Festland bei Algeciras von wo aus ich auch fahren hätte können. Auf der linken Seite erhoben sich steil aus dem Meer die Berge Afrikas, Marokko lag vor mir. Dazwischen immer wieder flache Küstenabschnitte die sich im Hintergrund wieder steil anhoben.

Die beiden Kontinente lagen so nach bei einander, dennoch liegen Welten dazwischen. Wir passierten die Straße von Gibraltar und bald war der Hafen in Sicht.

Ich kam mit drei anderen Radfahrern ins Gespräch. Franzosen die für eineinhalb Monate hier in Marokko unterwegs sein werden. Sie fuhren in eine andere Richtung, jedoch war nicht ausgeschlossen dass man sich nicht wieder sehen würde. Die drei  fuhren gleich nach Tetouan, während ich erst noch nach Tangier wollte.

Beim Verlassen des Schiffes reihten sich die Menschen über drei Decks hinweg und warteten darauf es verlassen zu können. Als sich die Menschenmassen  in Bewegung setzten ging es auch gar nicht mehr lange. Ich  packte meine Taschen auf den Träger und schob das Rad die Rampe herunter. Ein Blick von einem Grenzbeamten in den Pass und ich durfte passieren. Es folgten zwar noch weitere Kontrollen jedoch durfte ich ohne weiteres Anhalten vorbeifahren. Nur am Zoll wurde ich gestoppt, gefragt ob ich etwas zu verzollen hätte, was ich ja nicht hatte.

Das erste was mir auffiel waren die hupenden Autos die mich überholten. Die meisten davon waren alte Blaue Mercedes 240 D. Taxis die voll mit Menschen waren. Auf den Rückbank zählte ich oft vier bis fünf Menschen. Vorne drei. Der in der Mitte tat mir Leid musste er sich doch immer wieder bewegen wenn geschaltet wurde.

Ich stellte fest das es tatsächlich noch knappe vierzig Kilometer bis nach Tangier waren. Auf dem Schiff hat mir jemand davon erzählt, was ich jedoch erst nicht glauben konnte. Die Straße schlängelte sich entlang der Küste, verließ sie um steil anzusteigen und um kurz darauf wieder bis zur Küste hin abzufallen. Dann der nächste Anstieg. Im Inland erhoben sich grüne Berge. Dazwischen breite Täler. Am Straßenrand liefen Menschen, saßen vor einfachen weißen Gebäuden und verfolgten das Geschehen. In einem Dorf passierte ich eine Polizeikontrolle. Auf der Fahrbahn lag ein Drahtseil. An einem Ende eine Schlaufe und am anderen spitze Zähne die ein Reifen mühelos die Luft nehmen würden. Man müsste nur daran ziehen.

Die Fahrt war anstrengen und die Temperatur um einige Grad wärmer als noch vor zwei Tagen in Barcelona.

Am frühen Nachmittag fuhr ich vorbei an den ersten Kamelen die vor den Toren der Neustadt von Tangier im Schatten warteten. Selbst in der Neustadt gab es keine Abgesenkten Bordsteine, ich hievte jedes Mal das schwere Hinterrad unter den Lasten auf den Gehweg, dabei auf der Suche nach einer Wechselstube um die ersten Euros in Dirham einzutauschen. Ich fand eine Western Union Stube, schob das Rad in eine kleine Gasse nebenan und schloss es ab. Dabei kam ich mit Oliver ins Gespräch der Freunde in einem Kosmetiksalon besuchte und selbst begeisterter Mountainbiker war. Er wollte alles wiesen und erzählte mir etwas über mein neues Reiseland. Er half mir auch das erste Wasser zu kaufen. Er selbst wohnt hier in Tanger, sein Vater jedoch in Spanien. Er wuchs hier auf und besaß sowohl einen Französischen als auch einen spanischen Pass und pendelte oft zwischen Marokko und Spanien.

Er wies mir noch den Weg zur Medina, der Altstadt von Tangier bevor ich mich verabschiedete. Für den Fall der Fälle das ich mal in Schwierigkeiten bin gab er mir seine Mail Adresse.

Am Grand Soco, dem Tor und Schauplatz der Medina verfolgte ich das Geschehen. Durch das Tor betrat ich die Medina und hatte schon gleich den zweiten aufdringlichen an der Backe. Geschickt wollte er mich versuchen in die Straßen zu locken, mit Argumenten dass mir fast die Schublade herunter fiel. „Where you go my friend is closed today, her is the place to see, where you see some amazing stuff”. Als dies jedoch nicht mehr zu funktionieren schien erzählte er von einem „cheap Hotel“ oder einem „good Restaurant with delicious Cous Cous“. Nach weiterem nachbohren gab er jedoch auf und meinte „You are free my friend“

Ich schob das Rad vorbei an Händlern die hinter ihren kleinen Verschlägen saßen. Tücher, Gewänder, Schmuck, und aller Art von Souvenir verkauften.

Nach einer Weile hatte ich genug gesehen und die Schublade der neuen Eindrücke war bis zum Rand gefüllt. Ich verließ die Stadt und fuhr noch weitere gut 30 Kilometer in Richtung Tetouan. Normalerweise ist es einfach einen Zeltplatz zu finden. Außerhalb einer Stadt oder Dorf, die Straße verlassen und voila einen Mal mehr Mal weniger schönen Platz. Nicht jedoch in Marokko. Nicht nur in den Städten und Dörfern spielt sich hier das Leben ab. Auf dem Land sind überall Schafe und Kühe die nicht eingezäunt sind. Kinder, Bauern und manchmal ganze Familien passen auf das Vieh auf. Es gibt keine Zäune. Die Tiere werden immer mit rufen und Seile die sie um den Hals tragen zusammen gehalten. Mir blieb also nicht anders übrig als die Menschen zu fragen ob ich hier zelten durfte. Ich war willkommen und die Menschen kamen her um zu grüßen und zu schauen.

Am Abend klebte ich die Auffälligen Stellen am Rad mit einem Isotap ab das ich ihn Barcelona vor meiner Abreise kaufte. Am auffälligsten waren die Felgen und die weise Gabel.

Mit einem spektakulären Sonnenuntergang neigte sich der erste Tag in Marokko dem Ende hingegen und ich war erstaunt wie viel neues da alles auf einen Schlag auf mich zu kam…



              
                                                          

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