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Bis an das Ende der Welt

Am Morgen nach der Verabschiedung lief ich die 2 Kilometer in die Altstadt zurück. Die Nacht verbrachte ich in einem Hostel etwas außerhalb. Da in den Tagen zuvor noch keine Zeit war um mir die Kathedrale genauer anzuschauen unternahm ich dies nun als erstes. Von dem Gebäudeinneren war ich etwas enttäuscht. Die Decken waren weiß gestrichen und strahlten nicht so eine Macht aus (abgesehen von dem grandiosen Altar und einigen Einzelheiten) wie in den gotischen Kirchen zuvor. Ich lief die Stufen des schmalen Ganges empor und blickte über die Schulter der großen Jakobusstatue. Ich legte mein Arm über seine rechte Schulter und hielt dabei kurz inne. Eine lange Tradition der Pilger. Anschließend lief ich die Stufen hinab zur letzten und endgültigen Ruhestätte der angeblichen Gebeine des Apostels Jakobus.
Der „Camino de Finistera“ begann offiziell dort wo alle Wege nach Santiago enden bzw. beginnen: am „ Praza do Obradoiro“ vor der Kathedrale.
Ich war etwas über einen Kilometer gelaufen als die Häuser Santiagos bereits hinter mir lagen. Ich wanderte jetzt auf einem immer schmaler werdenden Weg durch einen dichten Eukalyptuswald bergauf. Beim Blick zurück sah ich auf dem Hügel hinter mir die Häuser umgeben von Bäumen. Die Fassade der Kathedrale setzte sich ab. Sie ragte weit in den Himmel empor.
Ein bisschen komisch war es zu Beginn schon, nicht mehr als Gruppe zu pilgern.
Ich hatte gerade etwas gegessen, als mich mein Weg auf Teerstraßen durch grüne Landschaft führte. Ein steiler Anstieg lag vor mir. Hier wurde ich von Frederik überholt. Ich grüßte überrascht und freute mich ein bekanntes Gesicht zu sehen. Jasmin war auch dabei lief aber einige Kilometer hinter ihm.
Am Abend traf ich in der kleinen Herberge in Negreia ein. Auch dort begegnete mir ein bekanntes Gesicht. Ein Radfahrer den ich vor zwei Wochen im Gebirge Cebreiro sah. Er war auf seinem Rückweg nach Santiago.
Die Herberge war sehr schön, sauber Badezimmer, eine kleine aber sehr schöne Küche und im oberen Geschoss des kleinen Hauses gab es zwei Schlafräume mit Einzelbetten und großem Fenster im Giebel.
Der zweite Tag war jedoch nicht sehr schön. Von den bevorstehenden 32 Kilometer  lief ich 25 davon auf Teerstraßen. Meine Füße wurden auf eine harte Probe gestellt. Ich schaffte es dennoch bis nach Oliveira. Ein kleines Dorf das ausgestorben schien. Verfallene Gebäude zwischen intakten Steinhäusern und einigen Kornspeichern. Ich mochte diese auf Steinsäulen und Steinplatten stehenden länglichen Bauten. Die Steinplatten hinderten Mäuse an das Korn bzw. an den Mais zu gelangen, der dort zum Trocknen lagerte. Typisch für die Provinz Galizien.
Ich öffnete die Türe der Herberg, als ich ein „Hola, buenas tardes“ war nahm. Es war Alfonso, ein Spanier, der mit seiner Frau unterwegs war.“ Erst ab halb sechs ist wieder jemand da“ sagte er auf Englisch. Ich bezog schon mal das Untergeschoss des gegenüberliegenden Steinhauses. Die Herberge bestand aus drei alten renovierten Bauernhäusern mit hellblauen Fensterläden. Am Abend bekam ich meinen dritten Stempel in mein Credencial, (Pilgerausweiß).
Der letzte Tag nach fast 900 Kilometern lag nun vor mir bzw. vor uns. Beim Start am nächsten Morgen hing dichter Nebel zwischen den Steinhäusern, der sich bis hoch oben auf den Berg. Beim ersten Morgenlicht verzogen sich langsam die Schwaden und gaben den einen oder anderen Blick auf die umliegenden Berge frei. Unterwegs unterhielt ich mich mit den anderen Pilgern. Ich erzählte Alfonso von meiner weiteren Pilgerreise auf dem Caminho Portugues. Er meinte, dass ich auch in seiner Heimatstadt auf dem Weg nach Porto durchlaufen würde. Ich bekam seine Telefonnummer und lud mich zum Essen ein. Ich nahm die Einladung dankend an.
Von einer  Bergkuppe aus erblickten wir zum ersten Mal den atlantischen Ozean. Es war nicht mehr weit und ich würde am Ende der Welt sein. In der Ferne sah ich schon eine Erhebung, das Kap Finisterre.
Zum Mittag stoppte ich mit Frederick und Jasmin in einer Bucht in der Stadt Cee. Nach dem Essen liefen die beiden schon mal ohne mich weiter. Ich hatte noch etwas zu erledigen. Am späten Nachmittag traf ich wieder auf die beiden, die bereits an einem Strand einer kleinen Bucht einige Kilometer vor Finistera waren. Unten angekommen zog auch ich die Schuhe aus und lief zum Wasser. Ich mochte es, dem rauschen des Ozeans zu lauschen, dabei zogen Möwen kreischend  ihre Runden über uns hinweg.
Die Sonne ging unter, als wir die letzten Schritte auf einem Holzsteg entlang des Ozeans liefen.
In der Herberge bekam ich die zweite Compostela (Urkunde). Sie war bunt und gefiel mir besser als die die ich in Santiago bekam. Am Abend traf ich völlig überrascht auf Takaschi, mein japanischer Freund vergangener Pilgertage. Am Abend saßen wir gemütlich bei einem letzten Essen zusammen. Es gab Fisch, Pasta, Salat und natürlich Wein.
Ich blieb noch einen weiteren Tag in dem kleinen Fischerort. Bis jetzt war ich noch nicht am Kap Finistera. Ich wollte mir den letzten Stein mit der 00 Kilometer Anzeige und den Sonnenuntergang natürlich nicht entgehen lassen.
Am nächsten Tag lief ich weiter nördlich und somit nach 900 Kilometer nicht mehr gegen Westen. Schade eigentlich. Nur mit schwimmen oder einem Boot wäre ich noch weiter gekommen aber das Wasser war dann doch zu kalt und ein Boot hatte ich auch nicht.
Der Wandertag nach Muxia war sehr anstrengend und führte mich bergauf, gleich wieder bergab um anschließend wieder anzusteigen. Es schien kein Ende zu nehmen, aber die schönen Landschaften  durch die Wälder und die Dörfer entschädigten.
Muxia gefiel mir besser als Finistera. Eine kleines Dorf das auf einer langgestreckten Zunge im Ozean lag. Die Häuser waren bunt gestrichen, kleine Cafés säumten die Uferpromenade.  Am Zipfel der Landzunge stand auf Felsen eine Kirche in dessen Innerem Schiffsmodele an den Wänden hingen. Nur wenige Meter trennten  die Kirchentüre von der rauen See. Was für eine Idylle.
Mein Weg führte mich anschließend zurück nach Santiago. Auch diese Strecke bin ich gelaufen, habe also keinen Bus genommen wie alle anderen. Sonst würde das ja nicht zutreffen: zu Fuß Von Saint Jean Pied de Port nach Lissabon.






                                     

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